Arbeitskreis „Gewalt im Fußball“ Jagdszenen am Niederrhein

Duisburg · Kreisligafußball sorgt eher selten für Schlagzeilen, in den vergangenen Jahren aber immer öfter: „Trainer mit der Faust traktiert - Spieler rastet aus – Betreuer im Krankenhaus - Schiedsrichter brauchte Begleitschutz – Kopftritt gegen Fußballtrainer ...“ In Duisburg gibt es deshalb den Arbeitskreis „Gewalt im Fußball“.

Dass Schluss ist, wenn einer am Boden liegt, gilt längst nicht mehr ...

Dass Schluss ist, wenn einer am Boden liegt, gilt längst nicht mehr ...

Foto: cb

Jagdszenen am Niederrhein: Nachdem der Unparteiische kurz nacheinander zwei Spielern des TuS Asterlagen Rot gezeigt hatte, schlug ihm ein Spieler ins Gesicht. Ein Vereinsfunktionär trat den Schiedsrichterassistenten um. Die Schiedsrichter flüchteten im Sprint in die Kabine. Das war 2019 und nur ein Beispiel von vielen, aber wohl so etwas wie ein Gipfel dieser unheilvollen Entwicklung im Amateurfußball. 911 Spielabbrüche aufgrund von Gewalt bzw. Diskriminierung registrierte der DFB bundesweit in der Saison 2021/22, so viele wie noch nie.

Der Fußballverband Niederrhein, der seinen Sitz in Duisburg hat, hat deshalb mit Duisburg Sport, dem Stadtsportbund und der Uni Duisburg-Essen den Arbeitskreis „Gewalt im Fußball“ gegründet und zusammen mit dem Rechtsamt der Stadt ein Konzept entwickelt, wie der Gewalt in Duisburger Vereinen - auch in linksrheinischen, die im FVN in Ligen des Fußballkreises Moers spielen - begegnet werden kann. Alle Duisburger Vereine haben mittlerweile die vom Arbeitskreis formulierte Selbstverpflichtungserklärung unterschrieben: „Wir, die Sportvereine der Stadt Duisburg, setzen uns für einen gewaltfreien Sport ein, in dem kein Platz für jede Form der verbalen, psychischen, sexualisierten, rassistischen oder körperlichen Gewalt ist“, heißt es darin. Das scheint zu wirken, aber noch nicht bei allen, wie ein Zwischenbericht des Arbeitskreises zeigt.

Das ist die Ausgangslage: Die Gewalt im Amateurfußball hat in den vergangenen Jahren trotz intensiver Bemühungen seitens verschiedener Institutionen und Verbände weiter zugenommen. Dabei sei besonders auffällig, dass nicht die Anzahl der Vorfälle, sondern die Härte der Gewalt besorgniserregend zunimmt, so der Zwischenbericht. Seitdem der Rat das Konzept im Juni 2021 einstimmig beschlossen hat, wurden bereits sechs Vereine, die durch Gewaltvorfälle besonders aufgefallen sind, vor den Beratungskreis des Arbeitskreises geladen. Sanktionen für einen ganzen Verein hat es bisher erfreulicherweise nicht gegeben. Theoretisch könnten sie bis zur Kündigung der Sportanlagenpacht gehen.

Ein weiterer Bestandteil des Konzepts sind Sanktionen gegen einzelne Spieler - und die waren seit 2021 schon neunmal nötig. Dabei wird einzelnen Spielern ein Verbot für das Betreten aller städtischen Sportanlagen erteilt, was ein Trainingsverbot bedeutet und auch quasi ein „Fußballverbot“ - der FVN übermittelt die Platzverbote an alle anderen Vereine in Duisburg.

(von Thomas Warnecke)