Kamerun-Projekt „Haus der Sonne“ Ein Prinz, der um Hilfe bittet

Kempen · Ein echter Prinz leitet nun die Kamerun-Hilfe „Haus der Sonne“: Dem Vereinsgründer und Vorsitzenden Christian Eloundou wurde in seiner Heimat der Adelstitel verliehen.

Ein Blick in das „Sonnenhaus“, in dem Kinder Bildung und eine warme Mahlzeit erhalten.

Ein Blick in das „Sonnenhaus“, in dem Kinder Bildung und eine warme Mahlzeit erhalten.

Foto: Haus der Sonne e.V.

Bekannt geworden ist die vor gut vier Jahren gegründete Kempener Initiative durch das begehrte Angebot, täglich mehr als fünfzig Kindern und Jugendlichen im kamerunischen Mbouda eine warme Mahlzeit zu geben. Darunter sind viele Waisen- und Straßenkinder. Das für die jungen Leute kostenfreie Essen wird in der eigenen Küche zubereitet, und man isst in den bescheidenen Räumen des „Sonnenhauses“. Dabei geht es nicht immer leise zu. Eloundou, der selber aus der Kameruner Region stammt, bedauert, dass längst nicht alle ein Essen erhalten können: Die Schlange der Anstehenden ist oft länger als das sättigende Angebot. Hinzu kommt, dass die Lebensmittelpreise deutlich gestiegen sind. Folgen von Corona, dem Ukraine-Krieg (es kommt weniger und dafür teureres Getreide an) sowie der blutigen Auseinandersetzungen zwischen Regierungstruppen und Aufständischen in zwei Nachbarregionen. Eloundou betont, dass sich der Verein und seine Partner vor Ort „strikt neutral verhalten“.

Viel versprechen sich die Aktiven davon, künftig im eigenen Garten Gemüse etc. anzubauen. Und: Die junge Blandine, selber ein Gast im Sonnenhaus, will ab August eine Lehre beginnen, in der sich fast alles um die Agrarwirtschaft dreht. Sie könnte das kostensenkende Projekt „Unser Garten“ leiten und viele Tipps geben. Blandines Ausbildung will der Verein finanzieren.

Nicht nur Blandine profitiert von den Vereinszielen, in die Bildung und Ausbildung der jungen Kameruner zu investieren. Bertin konnte dank der finanziellen Unterstützung eine Schneiderlehre absolvieren. Der Verein, so der 1. Vorsitzende, errichtete am Haus der Sonne ein Schneider-Atelier, das jetzt mit neuen Klein-Maschinen plus Material ausgestattet wird. Ziel auch hier: Bertin ist Multiplikator, bildet interessierte Jugendliche aus dem Sonnenhaus aus; die wiederum könnten sich eine berufliche Perspektive schaffen, müssten also nicht in das vermeintlich tolle Europa fliehen. An Arbeit wird es vorerst im Atelier nicht fehlen. Da in Kamerun Schuluniformen Pflicht sind, könnten die Shirts, Shorts etc. für die „eigenen" Kinder und Jugendlichen von Bertin und Co. hergestellt werden. Andere bekämen sie zu kleinen Preisen. Für die meisten Eltern in der ländlichen Region ist der Kauf solcher Schulkleidung kaum leistbar.

Das Engagement des Vereins und die sichtbaren Erfolge beeindrucken nicht nur die Bevölkerung, sondern offenbar auch den Dorfältesten wie den Bürgermeister. So wurde Eloundou, der „königliche Wurzeln“ hat, in die Reihe der Prinzen aufgenommen. Das erhöht seinen gesellschaftlichen Stellenwert. Der gesamte Vorstand des Vereins wurde gleichzeitig zum "Botschafter des Dorfes" ernannt.

Eloundou bleibt dennoch bescheiden: "Ohne die Mitglieder, Paten, Sponsoren und Spender wäre all das, was wir bisher schaffen durften, gar nicht möglich gewesen.“ Gemeint sind neben dem Mahlzeiten-Angebot: Die Mädchen und Jungen bekommen nach dem Essen Nachhilfeunterricht, was die schulischen Leistungen verbessert habe. Neue Toiletten, Duschen am Haus der Sonne sowie der Bau von zwei solarbetriebenen Trinkwasserbrunnen - sowohl für die Kinder, ihre Begleiter als auch die angrenzende Bevölkerung - haben anfängliche Ressentiments schwinden lassen. Hinzu kommen Hilfen bei der medizinischen Versorgung der Kinder, Schulmaterialien und Schulgeld. Verstärkt wollen die Betreuer*innen auch für die Rechte der Kinder werben. Leider kommt es nicht selten zu häuslicher Gewalt, zu sexuellen Übergriffen gegenüber jungen Menschen.

Eloundou bat „wegen der vielen Aufgaben und Herausforderungen“ um mehr Unterstützung von Mitgliedern, Sponsoren und Partnern. Sein Credo: „Ein afrikanisches Sprichwort sagt, allein gehen wir schneller, aber zusammen gehen wir weiter.“ Wer beispielsweise ein Kind per Patenschaft unterstützen und fördern will, zahlt jährlich 360 Euro (tägliche Mahlzeit inklusive). Weitere Infos (z.B. So werde ich Mitglied) unter www.hausdersonne-kempen.de oder E-Mail an