Bibermanagementplan des Kreises Bibermanagement: Die Nager beobachten

Kreis Viersen · Aktuell sorgen im Kreis Viersen Biberdämme im Bereich Mühlenbach/ Ferkensbruch und im Kranenbach für Aufsehen.

Die Biber können mancherorts zum Problem werden.

Die Biber können mancherorts zum Problem werden.

Foto: pixabay

. Im Bereich Mühlenbach/ Ferkensbruch wurden zwei Wege überstaut, weshalb die Stadt Nettetal kurzfristig den Premium-Wanderweg „Nette Seen“ des Naturparks Schwalm-Nette aus Verkehrssicherungsgründen gesperrt hat. Im Kranenbach, oberhalb der Borner Mühle und im Borner See, ist der Wasserspiegel angestiegen.

Im Kreis Viersen werden Biberdämme und -reviere erfasst und regelmäßig kontrolliert. Im späteren Sommer und Herbst, wenn die Wasserstände fallen, werden alte Dämme von den Tieren instandgesetzt und neue gebaut. In dieser Zeit werden dem Kreis Viersen vermehrt Biberdämme gemeldet, meist von den Gewässerunterhaltungsverbänden. So sind seit September 2021 etwa 30 aktive Biberdämme festgestellt worden. Aus der Zahl der Dämme kann nicht auf die Reviere geschlossen werden, da Biber in ihrem Revier mehrere Dämme kaskadenartig hintereinander bauen können.

Der Kreis Viersen, der Netteverband und die Stadt Nettetal haben die Situation vor Ort geprüft und gemeinsam Bibermanagement-Maßnahmen abgestimmt. Geplant ist ein maßvoller Kompromiss mit dem Ziel, den Wasserstand auf den sensiblen Flächen abzusenken und dem Biber einen Mindestwasserstand für seine Lebensbedürfnisse zu erhalten. Jedoch verhindert regelmäßig stattfindender Vandalismus die Umsetzung der Maßnahmen. Die Wanderwege sind nach einer kurzen Sperrung wieder begehbar.

Am Borner See besteht derzeit keine Gefahr einer Überflutung der Steganlagen oder des angrenzenden Wanderweges. Die anfallenden Wassermassen – auch bei Regen – verteilen sich flächig auf dem Borner See. Die wasserwirtschaftliche Prüfung hat ergeben, dass derzeit kein Handlungsbedarf vorliegt. Die Situation wird durch den Kreis Viersen regelmäßig beobachtet.

Der Kreis Viersen hat aufgrund der steigenden Biberpopulation im Kreisgebiet bereits im letzten Jahr einen Bibermanagementplan vorgestellt. In diesen Plan sind die zahlreichen Erfahrungen im Umgang mit Biberproblemen seit dem trockenen Sommer 2018 eingeflossen. Er soll eine transparente Bewertung und Entscheidung für notwendige Maßnahmen bei Konflikten sicherstellen. Der Schutz des Bibers und seines Lebensraumes ist auch aus wasserwirtschaftlicher Sicht erwünscht: Sein Wirken fördert das Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie und erhält den guten ökologischen Zustand der Gewässer.

In der Regel wenden sich die Gewässerunterhaltungsverbände an den Kreis Viersen. Daraufhin wird geprüft, ob ein Biberbauwerk für die öffentliche oder private Sicherheit unbedenklich oder eine teilweise Öffnung des Dammes oder der Einbau einer Dammdrainage geboten ist. Oft wird bei einem gemeinsamen Termin mit dem Wasserverband vor Ort eine angemessene Lösung entwickelt.

Fast jeder Biberdamm hat Auswirkungen auf sein Umfeld, sowohl oberhalb als auch unterhalb eines Dammes. Die Bibermanagement-Prüfung bewertet, ob das Wirken des Bibers zu erheblichen Beeinträchtigungen führt. Konkrete Maßnahmen nach Prüfung des Bibermanagements können sein: eine einseitige, begrenzte Öffnung eines Dammes, der Aufbau eines Elektrozaunes, eine vollständige Reduzierung der Dammhöhe oder das vollständige Entfernen eines Dammes. Welche Maßnahmen technisch umsetzbar und zielführend für alle Beteiligten sind, muss im Einzelfall entschieden werden.