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Land der Flunen - Fäden der Vergangenheit: Neukirchen-Vluyn wird zur Open-Air-Galerie

Land der Flunen - Fäden der Vergangenheit : Neukirchen-Vluyn wird zur Open-Air-Galerie

Im Rahmen des Projektes „Land der Flunen – Fäden der Vergangenheit“ werden vom 20. Juni bis Ende September fünf Kunstinstallationen im Stadtgebiet zu erleben sein, die sich mit den Themen „Wasserlandschaft“ und „Textilindustrie“ befassen.

Fünf international tätige Künstlerinnen und Künstler hat die verantwortliche Kuratorin Ariane Hackstein gewinnen können, die sich mit den bedeutenden historischen Wurzeln der Stadt auseinandersetzen und diese im öffentlichen Raum für jeden sichtbar machen. Im Fokus steht die künstlerische Beschäftigung mit den Themen Wasser und Textilindustrie, die Neukirchen-Vluyn bis heute prägen. „Die Künstlerinnen und Künstler haben von außen auf Neukirchen-Vluyn geschaut, auf den Ort und seine Geschichte. Durch den unvoreingenommenen Blick sind großartige Entwürfe entstanden, die sich mit regionalen, sozialen und ökologischen Aspekten der Wasserlandschaft sowie mit der Vergangenheit und Gegenwart der Textilindustrie auseinandersetzen“, erklärt Hackstein. Bei der Auswahl der Kunstschaffenden sei es wichtig gewesen, dass diese „ortsbezogen und groß, sprich draußen“ arbeiten, denn aufgrund von Corona musste das Konzept angepasst werden. Eigentlich sollte das Kunstprojekt nämlich bereits 2020 im Innen- und Außenraum stattfinden. Dass dies alles so nicht möglich war, versteht sich inzwischen und mit viel Pandemieerfahrung wohl von selbst. Ein weiteres Kriterium für die Künstlerwahl: Die zu verarbeitenden Materialien müssen zum Niederrhein passen – und zum Budget von 82.500 Euro. Das stellt zum großen Teil das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Der Eigenanteil, den die Stadt tragen muss, wird hauptsächlich vom Sponsorenkreis Wirtschaft und Kultur übernommen.

Zwei der Kunstschaffenden stammen aus Deutschland, die anderen kommen aus den Niederlanden, Italien und Argentinien. Sie werden Ende Mai, Anfang Juni damit beginnen, ihre Kunstwerke aufzubauen. Die Standorte haben sie bei einem Vororttermin bereits selbst ausgewählt – und bleiben damit nicht unbedingt bei den Vorschlägen, die die Stadt ihnen im Vorfeld gemacht hat.

Jan Gerling (Deutschland) hat sich für seine Installation „Salix“ den Plankendickskendel nördlich der Niederrheinallee ausgesucht. Dort fand er eine unbeachtete Allee vor, der er neuer Aufmerksamkeit schenken möchte. Es soll eine Metamorphose zwischen Weidenblättern (lat: Salix) und Booten entstehen, die aus textilen Materialien besteht.

Die Niederländerin Karin van der Molen zieht es ebenfalls an den Plankendickskendel, allerdings südlich der Niederrheinallee. Hier wird sie mit ihrer plastischen 3-D-Installation „Neues Gewebe“ Webstrukturen aufgreifen. Damit will sie ein Sinnbild für die neue Vielfalt und Offenheit der Gesellschaft schaffen.

Fäden sind auch das Thema bei der Italienerin Elena Redaelli. „Tentacular“ im Park der Vluyner Dorfkirche lässt einen großen, dicken Faden auf und ab durch die Landschaft laufen. Die Nähe zur Paradies GmbH ist dabei beabsichtigt und der textilverarbeitende Betrieb spendet auch hochwertiges Recyclingmaterial für die Füllung des Werkes.

Edgardo Madanes ist in Argentinien für seine Weidenholzwerke bekannt – und hat mit diesem Material einen direkten Bezug zur niederrheinischen Landschaft. Er wird am Samannshof ein begehbares Fluss-Labyrinth erschaffen.

Der Letzte im Bunde ist der Deutsche Jens. J. Meyer. Er sollte bereits für die ExtraSchicht 2020 eine große Brücke zwischen den beiden Fördertürmen auf Niederberg spannen. Nach dem Ausfall der Veranstaltung wird er die Brücke nun in kleinerer, aber immer noch sechs bis sieben Meter hoher Form auf dem Landschaftsband auf dem ehemaligen Zechengelände bauen. Textile Elemente zwischen Carbonstangen verbinden Neukirchen und Vluyn, an dem Punkt, der die Vergangenheit und die Zukunft zusammenbringt wie kaum ein anderer im Stadtgebiet.

Während der Aufbauphase wird mit den Kunstschaffenden ein Audioguide entwickelt. Das Stadtmarketing hat zudem bereits eine Radroute mit 13,4 Kilometern Länge, die alle Kunstwerke miteinander verbindet, geplant. Natürlich können die Kunstwerke auch so entdeckt werden – das hat Kunst im öffentlichen Raum ja so an sich. Die Infos finden Sie unter www.nv-entdecken.de. Inwieweit die Eröffnung der Ausstellung am 20. Juni gefeiert werden kann, werden die Coronazahlen zeigen. Kulturbeauftragter Rüdiger Eichholtz und sein Team möchten die einzelnen Standorte zudem mit „Musik und Meditation“ bespielen: Das passende Format werde sich noch finden. Die Aktion „40 Jahre - 40 Impulse“, mit der Neukirchen-Vluyn sein 40-jähriges Städtedasein feiert, werde ebenfalls die Kunstinstallationen einbinden, verspricht Sandra Kiss vom Stadtmarketing, u.a. sollen Radtouren angeboten werden.

Ein zweiter Teil mit Künstlerinnen und Künstlern aus der Region ist für 2022 angedacht. Dann soll Jens J. Meyer auch die Brücke zwischen den Fördertürmen passend zur ExtraSchicht spannen dürfen. Partizipative Veranstaltungen mit verschiedenen Zielgruppen müssen ebenfalls weiterhin auf ihre Umsetzung warten, bis Events mit größeren Gruppen wieder möglich sind.

Endlich wieder Kunst

und Kultur

Jetzt freuen sich alle Beteiligten aber erst einmal, auf den ersten Teil der Open-Air-Ausstellung. „Dieses Projekt ist nach der langen Zeit der Entbehrung ein Hoffnungsschimmer für diejenigen, die danach lechzen, Kunst und Kultur wieder erleben zu dürfen“, fasst es Bürgermeister Ralf Köpke zusammen.