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Fußball-Influencer aus Moers: Über 600.000 Follower feiern Fabian

Fußball-Influencer aus Moers : Über 600.000 Follower feiern Fabian

Fabian Kleinert aus Moers hat sich als „classcloown“ auf TikTok und Instagram eine große Community aufgebaut. Sein Thema ist Fußball, zu seinen Followern gehören bereits Profis wie Bremens Marco Friedl oder Kiels Ahmet Arslan. Auch der VfL Wolfsburg hat schon ein Social Media-Auge auf den 21-Jährigen geworfen.

Ob national oder international - vor Fabian Kleinert ist kein Fußballverein sicher. Täglich nimmt er in seinen TikTok-Videos aktuelle Geschehnisse aus dem Profifußball aufs Korn, spielt bewusst mit Klischees und setzt gerne noch einen drauf. Die Clips folgen dabei immer dem gleichen Prinzip: Fabian personifiziert Vereine und spielt 30-Sekunden-Sketche. Da sitzt der BVB heulend vor Bayern München und dem VAR, die gemeinsame Sache machen. Da verschenkt Gladbach Rosen, weil man „die eh nicht mehr mag, seit die in Dortmund wachsen“. Oder ein Türsteher regelt, wer ins Champions League Viertelfinale darf.

An Ideen mangelt es dem Real Madrid-Fan, der selbst aktiv beim GSV Moers Fußball spielt, nicht. Er habe sich schon immer gerne kreativ betätigt und seine Freunde bestätigen ihm, „mega lustig zu sein und Leute gut unterhalten zu können“. Als Digital Native ist natürlich das Internet seine Spielwiese. Nachdem er bereits als 14-Jähriger mit FIFA-Videos auf YouTube unterwegs ist, startet er 2019 auf Instagram und TikTok mit einem neuen Comedyformat rund um eine Schulklasse, ähnlich der aus der deutschen Filmreihe „Fack ju Göhte“. Fabian spielt alle Rollen selbst und wählt den Namen „classcloown“ in Anlehnung an den berühmten Klassenclown. Die Resonanz erstaunt den jungen Moerser: Sein erstes Video wird eine halbe Million Mal geklickt, die Idee kommt anscheinend „crazy“ an. Doch sie nutzt sich auch wieder ab. Im Mai 2020 liegen die Klickzahlen „nur noch“ bei 20- bis 30.000. Etwas Neues muss her, beschließt Fabian - und macht sein großes Hobby zum Thema seiner Comedy. Und das läuft immer noch richtig gut.

Seine Zielgruppe sind Jugendliche im Alter von 13 bis 15 Jahren, diese tummeln sich hauptsächlich bei TikTok. Er achte daher besonders darauf, ihre Sprache zu sprechen und jugendfreundlichen Content abzuliefern. Über 635.000 Follower hat er hier schon, auf Insta sind’s knapp 60.000 und das Publikum „etwas älter“. Das Video mit den meisten Abrufen liegt bisher bei 3,2 Millionen. Um dieser Reichweite gerecht zu werden, investiert Fabian eine Menge Zeit und Arbeit in seine Accounts. „Es ist ein 24/7-Job“, sagt er. Für jedes Video erstellt der 21-Jährige am Vortag ein Skript. Morgens baut er dann das Setting auf, filmt und schneidet anschließend den Clip aus den unterschiedlichen Einstellungen zusammen. Neben den täglichen Videos auf TikTok und den wöchentlichen Beiträgen auf Instagram kommen natürlich noch Storys und Fanpflege hinzu, schließlich erreichen ihn auch viele persönliche Nachrichten und es gibt massenhaft Kommentare. Und wann immer es die Zeit zulässt, fährt er zu den Bundesligaclubs in unserer Umgebung, um vor Ort drehen zu können.

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„Lieblingsopfer“ von Fabian ist momentan Schalke. Die liefern ja gerade auch die besten Vorlagen. Das finden sogar die zahlreichen S04-Fans, die Fabian folgen und ebenfalls einen Riesenspaß dabei haben, wenn er sein „2.Bundesliga“-Meme in die Kamera winselt. Klar, Hate gebe es auch hin und wieder. Und Nachrichten wie „Hoffentlich stirbst du, du ****“, liest niemand gerne, aber so etwas müsse man einzuordnen wissen, sagt Fabian, der negative Kritik durchaus auch annehmen kann: „Ich reflektiere dann schon, ob ich es übertrieben habe.“ Der überwiegend positive Zuspruch aus allen Fanlagern zeige jedoch, dass es sich bei den Kritikern oft um verletzte Fanseelen handelt, die Comedy nur lustig finden, wenn’s nicht auf Kosten ihres Vereins geht.

Der VfL Wolfsburg scheint auf jeden Fall Humor zu haben und über sich selbst lachen zu können. Die Social Media-Abteilung des Bundesligisten folgt Fabian nämlich nicht nur, sondern hat ihn auch direkt bezüglich einer Zusammenarbeit angeschrieben. Wenn sich die Corona-Lage gebessert habe, möchte man Näheres besprechen. Und das geht genau in die Richtung, die Fabian anpeilt: „Ich würde gerne in den Bereich Schauspiel gehen oder als Video-Creator für einen Bundesligaverein arbeiten.“

Ein bisschen Geld verdient er bereits mit seinen Social Media-Aktivitäten und natürlich wäre ein großer Traum, davon leben zu können. Wenn’s so weiter läuft wie bisher, könnte das in ca. drei Jahren der Fall sein, schätzt Fabian. Sein Quartalsziel (587.000 Follower) hat er auf jeden Fall schon deutlich übertroffen, die eine Million will er in diesem Jahr noch knacken. Unterstützung bekommt er dabei von Freunden und Familie, auch wenn die Mutter sich anfangs immer fragte, warum ihr Sohn vor seinem Handy rumhampeln würde. „Ich musste ihr versprechen, dass ich Schule, Studium und Arbeit nicht vernachlässige“, erzählt Fabian. Und das macht er auch nicht. Seinen Job bei Zara geht er nach wie vor nach. Im Oktober beginnt außerdem sein Business Administration Studium in Kamp-Lintfort. Der Influencer kann also auch offline! Mama gefällt’s.