1. Niederrhein
  2. Duisburg

Heute muss sich der Hafenchef wegen Impfvordrängelei vorm Aufsichtsrat erklären: Erich Staakes letzte Bilanz

Heute muss sich der Hafenchef wegen Impfvordrängelei vorm Aufsichtsrat erklären : Erich Staakes letzte Bilanz

Etwas weniger Gesamtgüterumschlag, aber Zuwachs bei den Containern; etwas weniger Umsatz, aber ein verbessertes operatives Ergebnis und ein höherer Jahresüberschuss nach Steuern - trotz Corona zieht der Duisburger Hafen für 2020 eine positive Bilanz. Und für die letzten 20 Jahre gleich mit.

Es sei „unerlässlich und zielgerichtet, die Umschlagkapazitäten im Duisburger Hafen für weiteren Zuwachs auszubauen“, sagt der Vorstandsvorsitzende der Duisburger Hafen AG Erich Staake. Zwar ist der Gesamtgüterumschlag 2020 um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, beim Containerumschlag aber verzeichnete Duisport ein Wachstum um fünf Prozent und mit 4,2 Millionen Standardcontainern (TEU) ein neues Rekordniveau.

Der Kohleumschlag ist weiter im „politisch-bedingten“ Sinkflug, die Stahlbranche schwächelt. Die Coronakrise aber hat sich am stärksten in der Verpackungslogistik bemerkbar gemacht. Hier hat laut Duisport der Einbruch bei den Industrieexporten zu einem deutlichen Auftragsrückgang geführt.

 Erich Staake
Erich Staake Foto: Frank Reinhold

Andererseits habe Duisport mit besonderen Maßnahmen bereits frühzeitig auf die drohenden Zusammenbrüche von Lieferketten reagiert und so für Kompensationen gesorgt: „Die Operations des Hafens liefen im ersten Corona-Jahr durchweg auf 100 Prozent.“

So ist der Warenverkehr mit China auf der Schiene im vergangenen Geschäftsjahr laut Duisport um satte 70 Prozent angestiegen. Verkehrten früher zwischen Duisburg und China im Schnitt 35 bis 40 Züge pro Woche, seien es seit dem zweiten Quartal 2020 bis zu 60 gewesen. Macht für 2020 mehr als 10.000 Züge, die über eine Million Container in 21 Länder und 92 Städte Europas transportierten. Weshalb Duisport sein China-Netzwerk weiter ausbaut: Mit einer Tochter des Hafenriesen PSA aus Singapur wurde ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das an einem 33 Hektar großen Logistik-Hub in der weltgrößten Industriemetropole Chongqing sowie an 13 Bahnterminals des neuen chinesisch-singapurischen Land-See-Handelskorridors arbeitet.

  Erich Staakes Lebenswerk, mindestens symbolisch: Logport I in Rheinhausen. Lkws sind aus der Luft nicht so gut zu erkennen.
Erich Staakes Lebenswerk, mindestens symbolisch: Logport I in Rheinhausen. Lkws sind aus der Luft nicht so gut zu erkennen. Foto: Luftbild Blossey www.blossey.eu/Hans Blossey

Hierzulande will Duisport weiter an der Verlagerung des Straßengüterverkehrs auf die Schiene arbeiten. Würden europaweit 72 Prozent der Güter per Lkw transportiert, so seien es bei Duisport nur 50 Prozent, und der Anteil soll mittels diverser Innovationen auf „unvermeidbare“ 25 Prozent gesenkt werden. Außerdem soll in Zusammenarbeit mit der Stadt Duisburg die seit Jahren steigende Belastung durch parkende Lkw für Anwohner im Bereich von Logistikstandorten wie etwa Logport I in Rheinhausen „erheblich verringert“ werden, und zwar mit einem „Dreiklang“: fördern (legale und attraktive Parkmöglichkeiten mit Sanitärräumen), fordern (Parkverbotszonen, Kontrollen, Bußgelder), informieren (digitale Verkehrsflusssteuerung, Vorrangrouten in Navigationsgeräten, niederschwellige soziale/karitative Arbeit).

22 Jahre Hafenchef

Ob die Rheinhauser Erich Staake jemals für die Reduktion des Lkw-Verkehrs applaudieren (können), ist in mehrerlei Hinsicht fraglich. Am heuigen Montag kommt der Aufsichtsrat der Duisburger Hafen AG zusammen, dann muss sich Staake dafür erklären, dass er sich beim Impfen vorgedrängelt und über 80-jährigen Altenheimbewohnern die Impfdosen weggenommen hat. Ein vorzeitiger Abgang des Hafenchefs ist nach wie vor nicht ausgeschlossen. Und dass Staake wie ursprünglich geplant dem Hafen als Beiratsvorsitzender und Berater erhalten bleibt, erscheint jetzt mehr als fraglich.

Denn auf jeden Fall ist es die letzte Jahresbilanz von Erich Staake, im November läuft sein Vertrag als Vorstandsvorsitzender aus. Weshalb die Duisport-Mitteilung nicht nur für 2020, sondern auch für die letzten 20 Jahre Bilanz zieht. 51.580 direkt oder indirekt vom Hafen abhängige Arbeitnehmer im Jahr 2020 hat sich Duisport von einem Berliner Marktforschungsinstitut attestieren lassen; 1998, als Staake anfing und in Rheinhausen den ersten „Logport“ aus dem Boden stampfte, seien es nur 19.000 gewesen. Und Duisport nennt weitere Kennzahlen für „20 Jahre erfolgreichen Strukturwandel“:

- Umsatz 1999: 27 Millionen Euro – 2020 sind es 292 Millionen.

- Operatives Ergebnis 2020: 7,2 Mio. Euro. Im zurückliegenden Geschäftsjahr 2020 sind es 44,3 Mio.

- Rund 200 Mitabreiter zählt die Hafengesellschaft Duisburg 1999. 2020 sind es bei Duisport über 1.600.

- Über eine Milliarde Euro Investitionen in den letzten 20 Jahren.

Aber „Erster beim Impfen“ fällt nicht auf die Haben-Seite ...