Diese Klimaanlagen und Kühlungstipps gibt es Schwitzalarm: Zu heiß zu Haus’?

Mönchengladbach · Eine Hitzewelle jagt die nächste und Temperaturen Richtung 40 Grad sind auch bei uns inzwischen normal. Da bricht so manch einem auch zu Hause ganz schön der Schweiß aus. Wir haben den Mönchengladbacher Detlef Poullie, Experte für Versorgungstechnik bei der ZDF-Verbrauchersendung WISO, nach Klimalösungen gefragt.

Schon am Donnerstag klettert das Thermometer wieder auf über 35 Grad. Dann sind Kühltricks vonnöten - oder eine Klimaanlage.

Foto: Kellys Grammatikou

Kein Zweifel, der Klimawandel ist da. Und oftmals sind unsere Häuser nicht auf Hitzewellen von bis zu über 40 Grad ausgerichtet. Was unsere Großeltern kaum für möglich gehalten hätten: Ohne Klimaanlage geht es in vielen Fällen nichts mehr, etwa in mäßig isolierten 70-er-Jahre-Häusern oder Dachgeschossen mit vielen großen Fenstern. Jetzt ist guter Rat buchstäblich teuer, wenn man sich nicht in tropischen Nächten schweißgebadet hin und her wälzen will. Die Todesfälle in der Woche vor dem 28. Juni sprechen eine Sprache für sich: Die Hitzewelle bis 40 Grad im Juni hat nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) 9 600 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Klimatisierung ist also längst kein überflüssiger Luxus für Weicheier mehr. Wir haben Detlef Poullie, Dozent für Versorgungstechnik und Berater für alle Themen mit Klima und Heizung beim ZDF-Format WISO, gefragt, welche Klimageräte für welche Wohnungen passen, wenn nasse Tücher, Wärmflaschen mit Eiswürfeln, nächtliche Lüftung und Fensterverdunkelungen nicht mehr reichen.

„Klimaanlagen sind das neue Klopapier“, sagt Detlef Poullie im Hinblick auf den Run auf die Papierrollen in der Coronazeit. Und tatsächlich sind die Preise für Klimageräte aller Art sprunghaft nach oben gestiegen und in vielen Fällen gibt es nichts mehr, nicht zuletzt wegen der Konfliktsituation an der Straße von Hormus. Für viele heißt es also, durchhalten und vielleicht im Winter von coolen Preisen profitieren.

Grundsätzlich gibt es drei Arten von Kühlung: Die Oma-Tricks, Monoklimageräte und Split-Geräte.

Wie komfortabel die Kühlung ist, hängt von den finanziellen Möglichkeiten ab.

Die eleganteste Lösung ist die eingebaute Splitanlage mit Geräten für innen und außen. Doch, um derzeit eine Anlage samt Fachmann für den Einbau zu bekommen sind Glück oder Beziehungen vonnöten. „Viele Kollegen sind zur Zeit über vier bis fünf Monate ausgebucht“, sagt Detlef Poullie, Dozent für Versorgungstechnik. Wer ein einzelnes Splitgerät einbauen lässt, muss mit 2 000 bis 5 000 Euro an Kosten rechnen – je nach Gerät, Jahreszeit und Marktsituation. Dennoch rät Poullie unbedingt von Internet-Käufen und Selbsteinbau ab. „Die Befüllung mit Kältemitteln und die Verwendung von Spezialwerkzeugen gehören in die Hände von Fachleuten“. Auch sollten Mieter erst Rücksprache mit dem Hausbesitzer nehmen. Vorteil: Die Geräte können fast alle auch heizen und entfeuchten. „Sie funktionieren wie kleine Wärmepumpen“, sagt Detlef Poullie und seien im Winter günstige Alternativen oder auch Zusatzlösungen zu herkömmlichen Heizsystemen mit Gas oder Öl. Je nach Ausführung sind sie auch durch eine App steuerbar. Fest eingebaute Luft-Luft-Wärmepumpen, die kühlen und heizen können, gibt es inzwischen auch als Monoblock ohne Außeneinheit – besonders geeignet für denkmalgeschützte Altbauten. Auch sie benötigen aber eine Montage an einer Außenwand mit zwei Kernbohrungen für Zu- und Abluft. Splitanlagen schalten sich automatisch ab, sobald die gewünschte Raumtemperatur erreicht ist.

Fast genauso effektiv aber weniger schön ist die mobile Variante der Splitanlage. Dabei sind Innen- und Außengerät durch einen flachen Schlauch, der durch Fenster oder Balkontür führt, verbunden. Die Kühlleistung hängt, wie bei allen Klimageräten von der BTU-Leistung (British Thermal Unit = Maßeinheit für die Kühlleistung) ab. Je höher der BTU-Wert, desto größer und leistungsstärker ist die Klimaanlage. Eine Klimaanlage mit 12 000 BTU (ca. 3,5 Kilowatt) gilt als ideal für Raumgrößen zwischen 25 und 35 Quadratmetern, schafft aber je nach Raumbeschaffenheit mitunter auch deutlich mehr. Nachteil: Das Fenster steht offen und muss durch eine provisorische Spezialabdichtung mit dem Rahmen verbunden oder alternativ durch Handtücher abgedichtet werden. Vorteil: Je nach Raumgröße, Leistung und Marktlage gibt es solche Geräte schon ab 700 Euro.

Zu deutlich niedrigeren Preisen gibt es eine Fülle verschiedener Monoblock-Klimasysteme mit ein- oder zwei Schläuchen, die durch Fenster und Türen geführt werden müssen. Sie gibt es ab 300 Euro in verschiedenen Varianten. Nachteil ist, dass immer jeweils ein oder zwei Schläuche durch das offene Fenster gelegt werden müssen. Bei allen Varianten erhitzt sich einer der Schläuche, was eine zusätzliche Wärmequelle bedeutet. Zudem entsteht bei längerer Nutzung der Variante mit nur einem Schlauch ein Unterdruck. „Diese Klimageräte kühlen nur, solange sie an sind. Das verbraucht sehr viel Energie“, sagt Detlef Poullie.

Und dann gibt es da noch kleine, große und an der Decke verschraubte Ventilatoren und auch Außenverschattungen in Form von Schlagläden, Rollläden, Außenrollos und Markisen, die dafür sorgen, dass die Fenster der prallen Sonne gar nicht erst ausgesetzt sind. Doch ihr Kühleffekt hält nur wenige Tage an. Und viel hängt natürlich von der Qualität der Isolierung der gesamten Wohnung ab.