Stadt Krefeld weist Vorschläge zum Erhalt des Seidenweberhauses zurück „Die Sanierung wäre ein Fass ohne Boden“

Krefeld · Die Vorschläge von drei Krefelder Initiativen zum Erhalt des Seidenweberhauses seien „fachlich irreführend und wirtschaftlich fragwürdig“, teilt die Stadtverwaltung mit: „Sie bieten keine taugliche Alternative zu dem vom Stadtrat bereits 2018 beschlossenen Abriss.“

Foto: Müller

Demnach bleibe der Umbau des Kesselhauses zur neuen Veranstaltungshalle die finanziell günstigste und städtebaulich attraktivste Lösung für eine Veranstaltungshalle, die unterschiedliche Anforderungen erfüllen muss. „Falsche Zahlen werden nicht richtiger, indem man sie in regelmäßigen Abständen wiederholt“, sagt Bau- und Planungsdezernent Marcus Beyer. „Wir haben immer wieder dargelegt, warum eine Sanierung des maroden Seidenweberhauses ein Fass ohne Boden wäre. Umgekehrt haben wir mit dem Kesselhaus eine architektonisch ansprechende und finanziell berechenbare Komplettlösung.“

Laut einem Gutachten der Firma ICG aus dem Jahr 2019 hätte eine Sanierung des Seidenweberhauses schon damals etwa 81 Millionen Euro gekostet. Diese Summe enthielt keinen Risikoaufschlag, keine Varianz aufgrund steigender Baukosten und keine Angaben zu den Kosten für eine Erneuerung der Veranstaltungstechnik. Im Jahr 2022 wurden diese Zahlen auf ihre Plausibilität geprüft, um den Posten Veranstaltungstechnik ergänzt und mit den üblichen Risikoaufschlägen für alte Bestandsgebäude versehen. Die realen Kosten für einen möglichen Baustart im Jahr 2029 wurden damals auf 170,8 Millionen Euro netto geschätzt – ohne Sanierung der Tiefgarage. Der Umbau des Kesselhauses durch einen Investor sei hingegen auf 122,6 Millionen Euro netto gedeckelt, so die Verwaltung. Diese Lösung sei somit fast 50 Millionen Euro günstiger als eine Sanierung des Seidenweberhauses – „und böse Überraschungen während der Bauzeit sind vertraglich ausgeschlossen“.

Ein Verzicht auf das Kesselhaus, wie von der Initiative gefordert, hätte zum einen eine Vertragsstrafe im zweistelligen Millionenbereich zur Folge, die durch die Stadt Krefeld ohne jede Gegenleistung zu entrichten wäre. „Zum anderen wäre damit keines der vorhandenen Probleme gelöst“, so die Stadt weiter. „Denn das Anfang 1976 eingeweihte Seidenweberhaus ist baulich und technisch am Limit.“ Die Anlagen seien zwar in der Vergangenheit im Rahmen der Instandhaltung fortlaufend repariert worden, aber aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Bauteile würden die eintretenden Schäden immer umfangreicher und ließen sich immer schlechter beheben. Auch genügten die Anlagen immer weniger den steigenden Anforderungen: „Dies lässt sich auch am jährlichen Aufwand für Reparaturen und Gebäudeunterhaltung ablesen. Der Weiterbetrieb im Seidenweberhaus ist nach Prüfberichten, die durch Sachverständige erstellt wurden, derzeit nur noch bis Ende 2027 gesichert – vorausgesetzt, die technischen Anlagen halten so lange durch. Ziel ist es, danach einen Weiterbetrieb bis zur Fertigstellung des Kesselhauses zu ermöglichen, sofern der bauliche Zustand dies zulässt. Eine Sanierung jedoch wäre keinesfalls im laufenden Betrieb möglich. Das Seidenweberhaus müsste gezwungenermaßen für mehrere Jahre geschlossen werden, so dass zu den Sanierungskosten noch die Finanzierung einer Ersatzspielstätte hinzugerechnet werden müsste.“

Darüber hinaus liste bereits das ICG-Gutachten von 2019 zahlreiche Mängel der Veranstaltungsstätte auf, die sich auch durch eine Sanierung nicht beheben ließen. Dazu gehört die vertikale Organisation des Gebäudes, die Veranstaltungen erschwert. Auch andere Themen der räumlichen und logistischen Funktionalität wurden bemängelt, darunter die eingeschränkte Flexibilität der Nutzung, der wenig ansprechende Backstage-Bereich, die Schwierigkeiten bei der Anlieferung und die umständlichen Wegebeziehungen innerhalb des Gebäudes. Diese Nachteile ließen sich im Zuge einer Sanierung nur bedingt beheben. Auch architektonisch lassen die Gutachter am „Zweckbau“ Seidenweberhaus kein gutes Haar. Zudem beeinträchtige die Außenwirkung des Gebäudes eine vernünftige städtebauliche Entwicklung auf dem Theaterplatz.

Das Kesselhaus hingegen biete laut Gutachten mit industriekulturellem Charme und besonderer Atmosphäre auch ein stärkeres Potenzial bei der Ansprache von Künstlern, Veranstaltern, Firmenkunden und nicht zuletzt dem Publikum. „Nach Bewertung aller Argumente, die seit rund zehn Jahren bekannt sind und immer wieder abgewogen wurden, ist der durch den Rat beschlossene Umbau des Kesselhauses eine wirtschaftlich vernünftige Lösung, die Krefeld auch als Stadt gut tun wird“, betont Marcus Beyer. „Wir sollten uns den Gefallen tun und Debatten nicht immer wieder von vorne beginnen – zumal sich an der Sachlage nichts geändert hat. Die schwierige Haushaltssituation der Stadt Krefeld ist im Gegenteil gerade ein Grund, den eingeschlagenen Weg jetzt schnell und konsequent fortzusetzen, weil alles andere noch deutlich teurer würde.“

Für den anderen Vorschlag der drei Initiativen – eine Sanierung des Stadthauses anstelle des Neubaus eines technischen Rathauses – sieht der Baudezernent derzeit keinen Anlass. „Der Neubau eines technischen Rathauses wurde aufgrund der Haushaltslage zurückgestellt und steht nicht mehr im Wirtschaftsplan des Zentralen Gebäudemanagements. Hier zeigt sich, dass wir zentrale Forderung der Initiativen, Bauprojekte auf ihre wirtschaftlichen Folgen zu prüfen und gegebenenfalls darauf zu verzichten, längst verantwortungsvoll in die Tat umsetzen.“ Im Übrigen seien auch die von der Initiative genannten Zahlen zur Sanierung des Stadthauses nicht nachvollziehbar. „Schon 2016 lagen die berechneten Investitionskosten bei den nun erneut genannten 68,5 Millionen Euro. Zehn Jahre später die gleiche Zahl zu verwenden, statt Baukostensteigerungen einzubeziehen, hat mit seriösen Schätzungen nichts zu tun.“