Interview mit Marika Löchte, der neuen Vorstandsvorsitzenden vom Festspielverein Neersen „Eine neue Welt entdeckt“

Stadt Willich · Stabswechsel bei den Festspielen Neersen. Auf Sabine Mroch als Vorsitzende des Festspielvereins folgt nun die Krefelderin Marika Löchte.

Marika Löchte ist die neue Vorsitzende des Neersener Festspielvereins.

Foto: Privat

Elf Jahre lang hat Sabine Mroch als Vorsitzende des Festspielvereins die Geschicke der Festspiele geleitet. Nun geht sie in den verdienten Ruhestand. Eine Nachfolgerin ist aber schon gefunden. Mit der Krefelderin Marika Löchte wird es einen nahtlosen Übergang geben. Wir trafen die 70-jährige Theaterliebhaberin zum Interview.

Marika, Du trittst als Nachfolgerin von Sabine Mroch in große Fußstapfen. Wie empfindest Du das für Dich?

Zunächst ist es eine große Ehre für mich, diese Aufgabe zu übernehmen - auch wenn es in der Tat eine große Herausforderung ist. Die Festspiele haben im letzten Jahr mit einer tollen Besucherzahl abgeschlossen. Das wollen wir in diesem Jahr natürlich auch wieder schaffen - aber die äußeren Umstände sind natürlich viel komplexer geworden.

Wie meinst Du das?

Die Zukunft ist vor allem durch viele wirtschaftliche Einflüsse geprägt. Sparmaßnahmen im Kulturbereich, Kürzungsdiskussionen von Zuschüssen oder Besucher, die einmal mehr nachdenken, ob sie sich wirklich leisten können, Karten für einen Theaterbesuch zu kaufen. Kurzum der wirtschaftliche Aspekt hat einen höheren Stellenwert eingenommen als in den letzten Jahren.

Das hat Dich nicht abgeschreckt trotzdem den Vorsitz zu übernehmen?

Nein. Ich liebe Theater und ich liebe die Festspiele, in denen ich sehr viel Potenzial sehe. Sie haben seit 40 Jahren den Menschen viel Freude bereitet. Sie haben Strahlkraft für Willich und sind ein Aushängeschild für Neersen. Die Festspiele Neersen sind Theater zum Anfassen für jedermann. Und ich bin immer optimistisch: Wenn es Probleme gibt, sind sie da, um gelöst zu werden. So einfach ist das.

Du klingst motiviert, die Festspiele in eine sichere Zukunft zu führen...

Natürlich. Ich bin selbst ein treuer Besucher der Festspiele - und das schon seit 30 Jahren. Es ist mir eine Herzensangelegenheit, die Herausforderungen der Zukunft für die Schlossfestspiele gemeinsam mit der Stadt Willich zu meistern.

Dafür gibt es einen Plan?

Beispielsweise ist es wichtig, dass wir die Werte der Schlossfestspiele Neersen den heute entstehenden jüngeren Familien nahebringen und auch im Vorstand behutsam die Weichen für einen harmonischen Generationswechsel stellen.

Bieten denn die Festspiele nicht schon immer ein Programm, dass auch ein jüngeres Publikum anspricht?

Doch natürlich. Traditionell bieten wir immer ein Kinderstück an - und das kommt auch immer gut an, wird von Familien besucht aber auch ganze Schulklassen kommen, um das Kinderstück zu sehen. In diesem Jahr zeigen wir übrigens „Pocahontas“. Wir probieren aber natürlich auch immer neue Formate aus - zu nennen wäre da beispielsweise der Poetry Slam im Schloss, mit dem wir vor einigen Jahren gestartet sind und der bei jungen Menschen super ankommt. Wir versuchen immer neue Trends zu finden, am Puls der Zeit zu bleiben. Die Vorstellung „Harry Keaton - The Brain“ in dieser Spielzeit ist dafür das beste Beispiel. Harry Keaton fasziniert mit Mentalmagie, atemberaubender Hirnakrobatik, Multimedia-Show und viel Humor. Dieser Multimedia-Aspekt ist ja auch etwas ganz Neues für die Festspiele. Wir haben ein sehr kreatives Team und mit Jan Bodinus einen wunderbaren Intendanten, der ein gutes Gespür für Trends und Themen hat.

Du hattest bereits im letzten Jahr das Glück mit Jan Bodinus und für die Festspiele zu arbeiten. Wie kam es dazu?

Das war tatsächlich eher eine zufällige Begegnung zwischen Jan und mir. An einem schönen Sommerabend im letzten Jahr kamen wir ins Gespräch und er offerierte mir die Möglichkeit, für die Spielzeit 2025 Backstage die Schlossfestspiele zu unterstützen.

Das ist aber schon eine tolle Gelegenheit. Was genau war Deine Aufgabe?

Ich habe die Regieassistenz für den ‚Club der toten Dichter‘ und ‚Fishermen & Friends‘ übernommen und konnte nicht nur die Festspiele aus einem ganz anderen Blickwinkel wahrnehmen, sondern habe für mich eine kleine, neue Welt aufmachen können.

Was ist daran so besonders?

Eine wunderbare Theaterwelt tat sich da auf: unterschiedliche Charaktere, Zusammenarbeit mit jungen und erfahrenen Künstlern, schnelle Lösungen für Ungeplantes - genau mein Ding - flexibles Handeln, aufeinander Vertrauen, Disziplin, miteinander Lachen und alle haben das gleiche Ziel: „Die Vorstellung muss perfekt gelingen“. Einfach beeindruckend.

Dann ist Dir die Entscheidung den Vorsitz der Festspiele zu übernehmen, leicht gefallen?

Ja - ich hatte ja Gelegenheit, hinter die Kulissen zu schauen und habe gesehen, welche Herausforderungen da auf mich zukommen und ganz wichtig: die Vorstandsmitglieder haben mir von Anfang an ihr Vertrauen ausgesprochen

Und jetzt willst Du die Festspiele auf neue Füße stellen?

Nicht unbedingt auf neue Füße, aber das Fundament verstärken und für die Herausforderungen der Zukunft sicher machen. Die Festspiele Neersen sind es absolut wert.

Das Interview führte Extra-Tipp-Redakteur Kellys Grammatikou

Alle Informationen zu Tickets oder zum Programm der Festspiele gibt es unter www.festspiele-neersen.de

Marika Löchte ist die neue Vorsitzende
„Eine neue Welt entdeckt“
Interview mit Marika Löchte, der neuen Vorstandsvorsitzenden vom Festspielverein Neersen „Eine neue Welt entdeckt“