Johan Thorn Prikker gehört zu den prägendsten Künstlern der 1910er und 1920er Jahre. Für das Krefelder Kaiser-Wilhelm-Museum schuf er 1923 im Marmorsaal einen deckenhohen Bilderzyklus, auf dem er die Lebensalter des Menschen in der Malweise des Jugendstils darstellte.
Zum ersten Mal seit nunmehr 60 Jahren wieder widmet das KWM diesem Künstler, der 1932 gestorben ist, eine große Ausstellung. „Prikker verkörpert die Verbindung von Malerei mit angewandter Kunst und Architektur“, weist Museumsleiterin Katia Baudin auf die besondere Verbundenheit mit dem Krefelder Kunstmuseum hin. Denn auch das KWM verstand sich von Beginn an als Heimstätte auch von Design und angewandter Kunst.
So belegt die Ausstellung auch, wie vielfältig das Werk Prikkers ist. Es umfasst Gemälde, Plakate, Entwürfe für Weberei und Batik sowie Glasfenster. Besonders letztere hatten es dem niederländischen Künstler angetan. Er wolle „mit der Sonne malen“.
Bei der Gestaltung der Ausstellung konnte Kuratorin Dr. Magdalena Holzhey aus dem Vollen schöpfen. Denn das KWM besitzt nicht weniger als rund 1000 Werke Prikkers. „Unser Bestand spiegelt das ganze Spektrum seines Schaffens“, unterstreicht Holzhey. Dabei sind nicht nur die vollendeten Werke von Interesse, sondern auch die vielfältigen Entwürfe. „Sie erlauben es, dem Künstler im Arbeitsprozess quasi über die Schulter zu schauen“, erklärt die Kuratorin.
Prikker war zu seiner Zeit sehr gefragt. Seine Werke hängen heute noch in vielen Städten des Rheinlandes. Überdies war er auch als Lehrer an verschiedenen Kunstgewerbeschulen tätig, so auch in Krefeld, München, Düsseldorf und Köln. Prikker verstand seine Kunst als Form der Anarchie. Weshalb die Ausstellung auch den Titel trägt „Schöne Anarchie. Johan Thorn Prikker und seine Zeit.“ Sie wird am Sonntag, 17. Mai, um 11.30 Uhr eröffnet und bleibt bis zum 27. Juni 2027 zu sehen.
Parallel zur Hauptausstellung hat die englische Künstlerin Emma Talbot eine Installation unter dem Titel „Psyche“ im Kaiser-Wilhelm-Museum eingerichtet. Diese bezieht sich direkt auf die monumentale Wandmalerei „Lebenszyklen“ von Johan Thorn Prikker. „Die beiden Ausstellungen fließen organisch zusammen“, hebt Katia Baudin hervor. Auch die Malerei Talbots auf einem deckenhohen Seidenbehang ist monumental, sehr farbig und bildgewaltig. Sie ist im heutigen Thorn Prikker-Saal errichtet und erlaubt somit einen direkten Vergleich mit dessen Wandmalerei. Wobei die Künstlerin auch aktuelle Problemlagen wie Ökologie und Technologie anspricht. Der Name „Psyche“ der Installation leitet sich von einem gleichnamigen Asteroiden ab und steht somit für einen ganzheitlichen Blick in die Zukunft; aber natürlich ebenso für das Seelenleben des Menschen.
Die Installation bildet die numehr zehnte Ausgabe der Reihe „Sammlungssatelliten“, in der das Museum Positionen der Gegenwartskunst in einen Bezug zur eigenen Kunstsammlung setzt.
Diese zweite Ausstellung im Kaiser-Wilhelm-Museum wird ebenfalls am Sonntag, 17. Mai, eröffnet. Sie läuft aber nur bis zum 24. Januar.
Beide Ausstellungen versprechen ein farbenfrohes und formreiches Erlebnis.