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Für Ivo Grlic ist Pavel Dotchev der richtige Mann für den MSV Duisburg

Pavel Dotchev als neuer Trainer des MSV Duisburg vorgestellt : Grlic: „Er hat die Power“

Sportdirektor Ivo Grlic und Präsident Ingo Wald haben Pavel Dotchev als neuen Cheftrainer des MSV Duisburg der Presse vorgestellt. Für den Drittliga-Rekordtrainer haben die Zebras genug Qualität, um den Klassenerhalt zu schaffen. Grlic entschuldigt sich für die Verpflichtung von Gino Lettieri.

Grlic begann die Pressekonferenz mit einer vorgefassten Erklärung: Er habe daran geglaubt, mit Gino Lettieri zurück in die Erfolgsspur kommen zu können. Im Nachhinein sei Lettieris Verpflichtung „sicher ein Fehler“ gewesen. Dafür wolle er, Grlic, sich bei den Fans entschuldigen. Er hoffe, dass nun alle wieder an einem Strang ziehen, „und jetzt möchte ich Pavel Dotchev begrüßen“. Für den habe man sich entschieden, weil er extrem viel Erfahrung habe und man ihm zutraue, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

 Ivo Grlic hat die Kritik der Fans nicht unberührt gelassen: „Die Menschen hier sind ehrlich. Natürlich trifft das einen, aber ich weiß das auch zu schätzen.“
Ivo Grlic hat die Kritik der Fans nicht unberührt gelassen: „Die Menschen hier sind ehrlich. Natürlich trifft das einen, aber ich weiß das auch zu schätzen.“ Foto: MSV Duisburg / Nico Herbertz

„Wenn so ein Verein wie Duisburg anruft, würden Sie auch ja sagen“, sagte Dotchev, warum er sich das knapp eine Woche nach dem Rauswurf in Köln antue. Es sei ihm eine Ehre, der MSV ein Traditionsverein, „der das schaffen kann“; er mache das nicht fürs Geld - „Ich bin bei Viktoria Köln gut bezahlt worden“ - sondern weil er beim MSV eine sportliche Perspektive sehe.

Er kenne den MSV gut über die langen Jahre als Trainer in Deutschland. Mirnes Pepic hat er schon in Aue und Rostock trainiert, Dominik Schmidt bei Preußen Münster und Moritz Stoppelkamp schon vor 14 Jahren bei Rot-Weiß Erfurt; Arne Sicker wollte er schon für Hansa Rostock haben. „Es hat mir bei der Entscheidung geholfen, dass die Mannschaft Qualität hat.“

Auch mit Nachwuchstrainer und Interimscoach Uwe Schubert will Dotchev weiter intensiv zusammenarbeiten: „Er kennt den Verein wie kein anderer. Wir wollen seine Erfahrung.“ Ohne Fußballehrerlizenz könne man ihn aber maximal 20 Tage als Trainer an den Spielfeldrand stellen, sagt Grlic, weshalb ein neuer Cheftrainer gefunden werden musste.

Die Frage hat sich Grlic natürlich auch gestellt: Wie sieht das aus, nach Lettieri jetzt einen neuen Trainer vorzustellen, der erst vor knapp einer Woche von einem Ligakonkurrenten entlassen wurde (nach elf Spielen mit nur einem Sieg)? „Aber wenn Sie in unseren Gesprächen dabei gewesen wären und erlebt hätten, wie viel Power Pavel Dotchev hat, wie viel Energie, dann hätten Sie auch keine Bedenken gehabt.“

 Für Ingo Wald ist Kritik generell in Ordnung. Er sei mit vielen ehemaligen Spielern im Austausch, „ich habe gestern noch mit Ewald Lienen telefoniert“, aber immer nur über die Öffentlichkeit bzw. die Medien zu gehen, das könne es auch nicht sein: „Ich frage mich, wo meine Beratungsresistenz liegen soll, wenn Ferry Schmidt nicht mit mir spricht.“
Für Ingo Wald ist Kritik generell in Ordnung. Er sei mit vielen ehemaligen Spielern im Austausch, „ich habe gestern noch mit Ewald Lienen telefoniert“, aber immer nur über die Öffentlichkeit bzw. die Medien zu gehen, das könne es auch nicht sein: „Ich frage mich, wo meine Beratungsresistenz liegen soll, wenn Ferry Schmidt nicht mit mir spricht.“ Foto: MSV Duisburg / Nico Herbertz

Die Trennung von Viktoria Köln sei nicht glücklich verlaufen, so Dotchev, der kein schlechtes Wort über seinen Ex-Club verlieren möchte. Er scheint immer noch traurig zu sein über das Aus - „aber wenn ich auf dem Platz stehe, kann ich den Schalter umlegen. Fußball ist eine Droge ...“ Seine volle Kraft gelte jetzt dem MSV: „Die Mannschaft braucht keinen Trainer, der müde ist und nicht vorausgeht.“

Am Vormittag hat Dotchev bereits die erste Trainingseinheit geleitet. „Ich habe mich hingestellt und gesagt, dass ich mich freue und dass wir jetzt trainieren werden“, erzählt Dotchev. „Ich glaube, es sind schon viele Gespräche geführt worden.“ Reden bringe die Spieler aber auf Dauer nicht weiter. „Die müssen jetzt loslassen und raus auf den Platz, sich austoben.“ Er fange nicht bei Null an, sagt Dotchev, und viel ändern will er auch nicht. Gerade in der Defensive will er nicht so viel rotieren, damit sich Automatismen aufbauen und verankern können. „Klar ist bei einigen noch Luft nach oben, aber dafür müssen sie spielen“, so Dotchev, der sich als „demokratischer Diktator“ sieht, der den Spielern viel Freiraum gibt, aber auch klare Ziele. Die Mannschaft dürfe „nicht immer wieder die Linie verlieren“: „Das erste, was wir brauchen, ist voller Einsatz. Wenn wir dann Erfolgserlebnisse haben, werden die anderen Sachen schon zurückkomen.“ Und Erfolgserlebnisse, die traut er sich und dem MSV Duisburg zu: „Deswegen bin ich hier.“