1. Niederrhein

Wickrather Feld Stille 12.500 Unterschriften gegen Kiesabbau

Stille Demonstration und offizielle Unterschriftenübergabe : 12.500 Menschen unterschreiben gegen Kiesraubbau

12.500 Unterschriften gegen eine Auskiesung des Wickrather Feldes hat die IG Dachsbruch gesammelt. Am Dienstagnachmittag wurden sie der RVR-Regionaldirektorin Karola Geiss-Netthöfel im Kamp-Lintforter Rathaus übergeben. Parallel fand eine Stille Demonstration auf dem Karl-Flügel-Platz statt.

Die Demonstration war still, die Botschaft aber klar und deutlich: Niemals Kiesabbau im Wickrather Feld! Und diese Auskiesungpläne seien „nur“ die Spitze des Eisbergs, macht Bürgermeister Prof. Dr. Christoph Landscheidt bei der offiziellen Unterschriftenübergabe im Rathaus klar. 8 % des Kamp-Lintforter Stadtgebietes seien bereits Auskiesungsfläche und es sei zu befürchten, dass im zweiten Entwurf für den neuen Regionalplan drei Mal so viele Flächen am Niederrhein für den Abbau von Kies und Sand ausgewiesen werden wie ursprünglich gedacht. Der Geologische Dienst des Landes NRW hat in einem Gutachten nämlich einen gestiegenen Bedarf nach Kies und Sand festgestellt. „Nach dem Monitoring durch den Geologischen Dienst ist der Bedarf gestiegen. Zudem wurde im Landesentwicklungsplan von der aktuellen NRW-Landesregierung festgelegt, dass die Regionalplaner künftig für 25 Jahre planen müssen. Das treibt den Flächenbedarf zusätzlich in die Höhe. Ich möchte mir nicht vorstellen, was das letzten Endes für den Niederrhein bedeutet. Über kurz oder lang werden dann auch aktuell vermeintlich weniger mächtige und somit weniger profitable Flächen für die Kiesindustrie interessant. Das ist Kiesraubbau statt Kiesabbau“, klagt das Stadtoberhaupt an, das immer noch gemeinsam mit dem Kreis Wesel und den Städten Neukirchen-Vluyn, Alpen und Rheinberg auf einen Termin für die mündliche Verhandlung der bereits vor einem Jahr eingereichten Klage gegen die Änderung des Landesentwicklungsplans (LEP) wartet.

Im Anschluss referierte Herwig Scholz von der Landwirtschaftskammer Düsseldorf über die Entwicklung der Abgrabungen an Kies und Sand im Kreis Wesel. Er betonte, dass der Kiesabbau  große Probleme für die Landwirtschaft mit sich bringen würde, denn „leider sind die besten Ackerstandorte auch die Flächen mit dem meisten Kies“. Dass Kies gebraucht werde, stehe außer Zweifel, aber man müsse genau drauf schauen, wohin der Kies geht. Ein Problem wäre der Export, denn ein Großteil würde in die Niederlanden gebracht werden. 857 ha Ackerfläche sei dauerhaft durch den Kiesabbau verloren gegangen, 4.000 Menschen pro Jahr verlieren ihre Selbstversorgungsbasis mit heimischen Lebensmitteln. „Wir brauchen den Kies nicht, wenn wir nichts mehr zu essen haben“, schließt Scholz seinen Impulsvortrag.

Nach ihm tritt Simone Spiegels von der IG Dachsbruch ans Rednerpult. Emotional schildert sie ihre Beweggründe, sich gegen den Kiesabbau und die „Zerstörung ihrer Heimat“ einzusetzen. Die Sprecherin der Interessensgemeinschaft präsentiert Bilder und Karten, die zeigen, welches Ausmaß der Kiesabbau schon angenommen hat und was noch zu befürchten sei. „Was ist wirklich der Bedarf an Kies, den wir decken müssen? Weder im Landesplanungsgesetzt noch im Landesentwicklungsplan ist geregelt, wonach der Bedarf ermittelt wird. Wenn der angebliche Bedarf weiterhin nur über die von der Industrie angemeldeten voraussichtlichen Verbrauchs- und Exportmengen, die abgebaut werden sollen, definiert wird, wird der Kiesabbau kein Ende nehmen. Dann wird vom Niederrhein nicht mehr viel übrig sein“, so Spiegels und appelliert an Regionaldirektorin Karola Geiss-Netthöfel die Interessen des Niederrheins im RVR zu stärken, Wasserschutzgebiete zu schützen, alternative Baustoffe und Recycling einzukalkulieren und „die Interessen von Bürger, Umwelt und Natur den Interessen der Wirtschaft gegenüberzustellen.“

RVR-Regionaldirektorin Karola Geiss-Netthöfel will „die Dinge mitnehmen, die ihr hier mitgegeben werden“, denn das Wickrather Feld sei nicht nur ein Randproblem fürs Ruhrparlament, sondern ein wesentlicher Punkt in der Regionalplanung. „Ich hoffe, dass wir im Sommer einen neuen Entwurf des Landesentwicklungsplanes haben.“ Da so viele Einwände eingereicht wurden, würden „Änderungen sicher aufgenommen werden“, damit es zu einer 2. Beteiligung der Öffentlichkeit kommt. Hier gebe es dann wieder die Möglichkeit, Stellung zu nehmen. „Wir versuchen alles zu tun, um konfliktarme Flächen für die Auskiesung auszuweisen“, so die Regionaldirektorin. Flächen müssten jedoch ausgewiesen werden, aber es gelte dabei auch Nachnutzungs- und Folgekonzepte mit der Kiesindustrie zu vereinbaren.

Den Ordner mit den 12.500 Unterschriften bekommt sie schließlich von Marion Kempken überreicht. „12.500 Menschen stehen hinter uns, Menschen, mit denen wir tausende Gespräche geführt haben, die uns ihre Sorgen anvertraut haben“, so die IG-Sprecherin und fordert eindringlich: „Denken Sie dran, es handelt sich um Menschen, nicht um Unterschriften!“

Hier geht es zur Bilderstrecke: 12.500 Kiesgegner haben unterschrieben