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Tierherberge Kamp-Lintfort klärt auf: Vorurteile bei Tierheimhunden

Tierherberge Kamp-Lintfort klärt auf : Vorurteile bei Tierheimhunden

Karin Kuhlmann von der Tierherberge Kamp-Lintfort möchte mit folgendem Statement das häufige Vorurteil, dass Tierheimhunde alle schwierig wären, entkräften.

„Immer noch zeigen Tierfreunde Skepsis bei der Adoption, eines Hundes aus dem Tierheim. Vermittlungsversuche von engagierten Tierpflegern scheitern oft an hartnäckigen, aber völlig unberechtigten Vorurteilen, Hunde in Tierheimen seien meist verhaltensgestört, schwierig oder krank.

Dabei findet man dort ganz normale Hunde, die durch Zeitmangel, Trennung oder Tod des Halters, wegen unüberlegt spontaner Anschaffung, Unkenntnis in ihren Bedürfnissen, durch körperliche oder seelische Über- und Unterforderung aufgrund einer falschen Auswahl der Rasse, ohne Selbstverschulden in Tierheimen landen.

Somit entbehrt das Vorurteil, dass in Tierheimen nur bissige oder kranke Hunde sitzen, in fast allen Fällen jeglicher Grundlage. Und wenn bei einem Hund ein starkes Verhaltensdefizit vorhanden ist, womit kein Welpe geboren wird, so liegt das meist an einer lieblosen und artwidrigen Haltung.

In der Tierherberge Kamp LIntfort achtet ein kompetentes Personal bei einer Vermittlung vorrangig darauf, dass ihre Schützlinge vor einer Abgabe tierärztlich durchgecheckt werden und der Interessent mit dem auserwählten Hund im Temperament, Bedürfnis, Größe, Alter und Kraft zurechtkommt und gut harmoniert.

Jedes Tier wird vor seiner Adoption beobachtet, wie gut sein soziales Verhalten in Puncto Verträglichkeit bei Artgenossen und Kinderakzeptanz sind und wie stark sein Lauf- und Bewegungsbedürfnis ist. Inwieweit er als familientauglich eingeschätzt werden kann, welche negativen Erlebnisse in seiner Vergangenheit bekannt sind und evtl. noch verarbeiten müssen und ob er rassebedingt mental stark gefordert und gefördert werden sollte. Je mehr die Betreuer vom Vorleben des Schützlings erfahren, desto präziser können seine Wesensmerkmale an den neuen Besitzer weitergeben werden.

Wichtige Auskünfte, die für ein stressfreies und harmonisches Miteinander wichtig sind, bekommt man in seriösen Tierheimen, weil die meisten Insassen bereits ausgewachsen sind, den Alltag kennen und Umwelterfahrungen mitbringen.

Um eine enge Vertrautheit zwischen dem neuen Frauchen/Herrchen und dem Waisenhund aufzubauen, sollten vor einer Vermittlung anfangs mehrere gemeinsame Spaziergänge unternommen werden. So lernen beide Seiten ihr Verhaltensmuster auch außerhalb des Tierheimgeländes kennen und können beurteilen, wie gut sich der Hund angeleint benimmt, im Straßenverkehr, Wald oder bei Begegnungen fremder Artgenossen verhält.

Die Tierherberge Kamp Lintfort, die in der Unterbringung der Hunde eine vorbildlich artgerechte, zwingerfreie Gruppenhaltung bevorzugt, bietet potentiellen Interessenten vor der endgültigen Vertragsabwicklung einen Probetag für den auserwählten Hund im neuen Zuhause.

Besonders Hunde, die im vorgerückten Alter ihr Zuhause verlieren, haben es besonders schwer, sich im Tierheimalltag zurechtzufinden. Dabei strahlen die genügsamen Seniorengäste viel Lebensweisheit aus und erzählen mit ihren Augen ihre eigene und oft traurige Geschichte. Sie erweisen sich als besonders dankbar bei einer zweiten Chance auf ein liebevoll umsorgtes Zuhause und ruhen in sich. Solch liebenswerte Oldies sind für die ebenfalls in die Jahre gekommenen Hundefreunde oft eine Bereicherung in ihrem trist gewordenen Alltag. Sie schenken viel Zuneigung und sind im Alter anspruchslos im Vergleich zu den Jungspunts, die die Welt noch kennenlernen und erobern möchten.

Natürlich gibt es in Tierheimen auch sog. ‚Problemhunde’, die durch eine schlechte Haltung, Unter- oder Überforderung, Vernachlässigung oder Gewaltanwendungen unerwünschte Verhaltensweisen aufzeigen. Sie können durch vernachlässigte oder falsche Erziehung ein gestörtes Sozialverhalten präsentieren, durch isolierte Unterbringung unsicher auf Umweltängste reagieren oder das Vertrauen zu Menschen verloren haben. Solche Hunde kommen erst in die Vermittlung, nachdem sie von Tierärzten behandelt und durch Trainer oder Tiertherapeuten resozialisiert worden sind, bis sie ihr Umgang mit Menschen wieder souverän und gelassen ist.

Es wäre eine schlechte Basis und nahezu ein Teufelskreis, würden kranke oder Hunde, die nicht zu Menschen passen, vermittelt werden, weil sich dann eine hohe Quote an ‚Rückläufern’ bilden und damit ein neues Leid für die wehrlosen Hunde bedeuten würde. Trotzdem ist es wichtig, dass es gutgeführte Tierheime gibt, weil sie eine sichere Auffangstation für nicht mehr gewollte Hunde sind. Viele Hunde haben Glück und ihr Aufenthalt ist nur für eine kurze Übergangszeit bestimmt.Besonders Hunde, die es mal sehr gut hatten und verwöhnt wurden, fallen in ein psychisches Loch, sind irritiert und trauern, wenn sie schuldlos und durch eine oft nicht nachvollziehbare Entscheidung ihrer Halter im Tierheim landen. Dabei ist fast jeder Hund willig, seine ganze Treue sein Leben lang seinen Menschen zu schenken. Leider oft nur ein einseitiger Deal.“

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