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Städte-Challenge zur Verdoppelung der Photovoltaikflächen: Neukirchen-Vluyn ist Wattbewerber

Städte-Challenge zur Verdoppelung der Photovoltaikflächen : Neukirchen-Vluyn ist Wattbewerber

Neukirchen-Vluyn nimmt an der bundesweiten Faktor2-Challenge, dem „Wattbewerb“, teil. Ziel ist es, die Photovoltaikflächen im Stadtgebiet zu verdoppeln und so die lokale Energiewende zu stärken.

Matthias Röder von Parents For Future Neukirchen-Vluyn gehört zum Team, das bundesweit den Wattbewerb organisiert. Klar, dass ihm auch daran gelegen ist, dass seine Heimatstadt die Herausforderung annimmt. Und das tut sie gerne, wie der Rat Ende Januar einstimmig beschlossen hat, denn eine der wichtigsten Technologien beim Ausbau der erneuerbaren Energien ist die Photovoltaik und dieser Wettbewerb sei ein weiterer wichtiger Schritt für den Klimaschutz, wie Bürgermeister Ralf Köpke findet.

Offizieller Startschuss für den Wettbewerb war der 21. Februar. Dieses Datum tut allerdings nicht viel zur Sache, denn wichtig ist der 12. Februar 2021. Die Nennleistung der Photovoltaikanlagen (gemessen in Kilowatt-Peak (kWP)), die zu diesem Zeitpunkt im Marktstammdatenregister vermerkt ist, ist entscheidend - sie gibt die Zahl an, die es gilt zu verdoppeln. „Das Marktstammdatenregister ist das Register für den deutschen Strom- und Gasmarkt. Jede Anlage muss dort registriert sein“, erklärt Röder. Das Stichtag bezogene Vorgehen bedeutet, dass eine Anmeldung für den Wettbewerb jederzeit noch möglich ist und ein späterer Einstieg keinen Nachteil nach sich zieht. Stadtrecht ist bisher die einzige Voraussetzung zur Teilnahme, es gibt die beiden Kategorien „weniger und mehr als 100.000 Einwohner“. Das Ende ist erreicht, wenn die erste Stadt ihre Nennleistung aus Photovoltaikanlagen verdoppelt hat. Diese ist dann aber nicht zwangsläufig der Sieger, denn es gewinnt die Stadt, die im Wettbewerbszeitraum am meisten kWp-Leistung pro Einwohner zugebaut hat. Ein geduldiges Wettrennen also, denn laut Röder würde das, wenn alles so weiter wie bisher laufe, acht Jahre dauern. Da nun aber Schwung in die Sache kommt und Photovoltaik eh auf dem Vormarsch ist, rechne das Orga-Team mit vier Jahren und „hofft auf 3“.

Der größte Wattbewerber ist momentan München. Zu den 60 angemeldeten Städten gehört aber auch Rheinberg, was die Neukirchen-Vluyner besonders freut, denn Derbys sind ja immer was Feines und stacheln zu Höchstleistungen an. Idealerweise würden Moers und Kamp-Lintfort ebenfalls mitmachen. Man sei dran, versichert Matthias Röder, der dabei auf die Unterstützung von seinem Bürgermeister  zählen kann: „Ich werde meine Kollegen gleich mal ansprechen. Das ist auch so ein privater Wettbewerb unter Bürgermeister“, grinst Ralf Köpke, der „natürlich als Gewinner der Wir-4-Städte hervorgehen will.“

Ziel von Neukirchen-Vluyn ist es, möglichst schnell 0,75 kW-Peak pro Einwohner zu erreichen. „Aktuell haben wir 405 Anlagen in der Stadt und verzeichnen 10 MW-Peak-Leistung - was einer Leistung von ca. 0,37 kW-Peak pro Einwohner entspricht“, weiß Klimaschutzmanager Stephan Baur. Wie lange man für die Verdoppelung braucht? Das sei schwer zu sagen, zwischen 2018 und 2020 gab es einen Zuwachs von Photovoltaikanlagen von knapp 20%, aber wie gesagt, die Nachfrage wächst von Jahr zu Jahr.

Das kann auch die ENNI bestätigen, die - als Treiber der Energiewende - natürlich mit an Bord ist. „2020 wurden viel mehr Anlagen verkauft als in den Jahren zuvor. Das ist ja auch kein Wunder, Solarenergie ist einfach günstiger und die Installation dauert nur ein paar Stunden“, erklärt Oliver Felthaus, Bereichsleiter Vertrieb und Energiebeschaffung. Das Unternehmen wird die Nennleistung auch selbst nach oben treiben: Neben den 30 Photovoltaikanlagen, die das Unternehmen derzeit in Neukirchen-Vluyn betreibt, und der Werbetrommel, die bei Privat- und Geschäftskunden weiterhin fleißig gerührt werden soll, ist für 2022 die Inbetriebnahme eines neuen Solarparks, nördlich vom Hoschenhof in Vluyn, geplant. Hier sollen dann 4600 kWP erreicht werden. (Zum Vergleich: der Solarpark Mühlenfeld schafft 3.500)

Gemeinsam mit der ENNI, Fridays For Future und Parents For Future wird die Stadtverwaltung den Wattbewerb durch Aktionen und Beratungen begleiten und so regelmäßig auf die Challenge aufmerksam machen. Erste Maßnahmen: der erste Online-Solarstammtisch (am Donnerstag, 18. März 2021, von 18 bis 20 Uhr) und ein Online-Vortrag in Kooperation mit der Verbraucherzentrale NRW (25. März, 18.30 bis 20 Uhr). Für beide Veranstaltungen können Sie sich unter www.klimaschutz-nv.de anmelden. Auf dieser  Homepage finden Sie alles zum Wettbewerb und eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie zu Ihrer Solaranlage kommen. Unter www.enni.de können Sie zudem Ihre Photovoltaikanlage online planen oder/und mit dem Sonnenstromrechner unverbindlich mit wenigen Klicks herausfinden, wie viel kWh von Ihrer möglichen Photovoltaikanlage produziert werden und welche Summe eingespart werden kann.