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Nachbarschaftshilfe in Meerbeck: Unterstützung beim Buchen der Impftermine

Nachbarschaftshilfe in Meerbeck : Unterstützung beim Buchen der Impftermine

Ältere Menschen, die Unterstützung beim Buchen ihrer Impftermine benötigen, können sich an die Werkstatt Meerbeck wenden.

Ohne vorherige Terminvereinbarung keine Impfung gegen das Coronavirus. Und auch wenn sich der Impfstart in den Impfzentren verzögern wird, soll es ab Montag, 25. Januar, zwei Möglichkeiten geben, sich einen Termin zu sichern: 1. unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 116 117 01 (täglich von 8 bis 22 Uhr) oder 2. online unter www.116117.de. „Für viele ältere Menschen wird das Buchen problematisch“,befürchten Anja und Wolfram Reutlinger, „entweder ist der Zugang zum digitalen Buchen der Termine nicht gegeben oder sie verzweifeln in der Telefonhotline.“ Das Ehepaar gehört zum Team der Werkstatt Meerbeck - ein Ort für gelebte Quartiersarbeit, ein Treffpunkt für die Nachbarschaft. Gemeinsam mit Sebastian Mörth, Inhaber von Wondervolle Brautmoden, kam die Idee, die in Corona nahezu stillliegenden Räumlichkeiten dafür zu nutzen, den älteren Mitbürger*innen ein besonderes Angebot zu machen: Ab Mittwoch, 27. Januar, können diejenigen, die Unterstützung beim Buchen der Impftermine brauchen, mittwochs und samstags von 10 bis 12 Uhr einfach in der Werkstatt Meerbeck, Zwickauerstraße 16, vorbeikommen. Ein Hygienekonzept wurde mit dem Ordnungsamt der Stadt Moers abgestimmt.

Zwei bis drei Ehrenamtler werden dann vor Ort sein, Termine buchen, beim Ausfüllen des Amnesebogens behilflich sein und allgemeines Informationsmaterial bezüglich des Impfens parat halten. Um das nötige Equipment hat sich die Volksbank Niederrhein gekümmert, die ein I-Pad und einen Drucker zur Verfügung stellt. „Ich finde die Idee einfach nur hammermäßig gut, solche Aktionen sind genau das, was wir in dieser Zeit brauchen. Vor so einem Engagement kann ich nur den Hut ziehen“, sagt Vorstandsvorsitzender Guido Lohmann.

Auch das nächste Problem gehen alle Beteiligten gemeinsam an: Um zum Impfzentrum in Wesel zu gelangen, soll ein Fahrdienst organisiert werden. Die Malteser und das Nachbarschaftshilfe Netzwerk 55+ Meerbeck, das die Möglichkeit hat über die Kirchengemeinde auf Kleintransporter zuzugreifen, haben signalisiert, einen ehrenamlichen Fahrdienst anbieten zu wollen. Allerdings wären jetzt noch einige bürokratische Hürden zu nehmen, erklärt Wolfram Reutlinger: „Zum einen gilt es zu klären, inwiefern man im Wettbewerb mit den Taxifahrern tritt, die natürlich ihr Geld verdienen wollen. Zum anderen sind wir auf die Hilfe des Kreises Wesel und der Stadt Moers angewiesen. Die Malteser könnten zum Beispiel bis zu vier Personen gleichzeitig coronakonform transportieren. Doch das müsste dann auch terminlich in Wesel passen.“ Natürlich stellt sich auch die Frage nach der Finanzierung, denn Sprit kostet. Immerhin: „Die ersten 1000 Euro Spritkosten übernehmen wir“, verkündet Guido Lohmann spontan während des Pressegesprächs.

Wie viele Leute mit der Aktion erreicht werden, lässt sich schwer vorhersagen. Meerbeck sei zwar im Durchschnitt ein junger Stadtteil, da viele Familien mit vielen Kindern hier leben würden, aber auf der anderen Seite gebe es in der Kolonie einen sehr hohen Anteil an hoch betagten Menschen, die zum Teil alleine in ihren Zechenhäusern wohnen würden, wie Wolfram Reutlinger weiß. Laut KECK-Atlas, der über die Homepage der Stadt Moers, erreichbar ist, lebten 2019 591 Personen, die 80 Jahre und älter sind, in Meerbeck. Um auch die „vielen muslimischen Freunde in der Nachbarschaft“ zu erreichen, wird das Ehepaar Reutlinger zudem die Infoplakate, die im Stadtteil aufgehängt werden, nicht nur auf türkisch übersetzen lassen, sondern auch Kontakt zur Moschee aufnehmen.