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Interkulturelles Nachbarschaftsnetzwerk 55plus Meerbeck: Gegen die Einsamkeit: Ü55 in Meerbeck geht online

Interkulturelles Nachbarschaftsnetzwerk 55plus Meerbeck : Gegen die Einsamkeit: Ü55 in Meerbeck geht online

Trotz Kontaktbeschränkungen Kontakte halten - genau das möchte das Interkulturelle Nachbarschaftsnetzwerk 55plus älteren Menschen in Meerbeck ermöglichen. Sie bekommen dazu Tablets zur Verfügung gestellt und werden im Umgang geschult - alles komplett kostenlos.

Kontaktpflege läuft momentan digital. Doch vielen älteren Menschen fehlt hier - auch im wahrsten Sinne des Wortes - der Zugang. Der daraus resultierenden drohenden Vereinsamung will das Interkulturelle Nachbarschaftsnetzwerk 55plus Meerbeck mit einem besonderen Projekt entgegenwirken und sorgt dafür, dass Ü55 online geht.

Im November 2020 wurden die ersten zehn Tablets angeschafft, welche seniorengerecht eingerichtet wurden. „Eine übersichtliche Benutzeroberfläche mit großen Icons ist natürlich wichtig“, erklärt Friedrich Weber, der diese Aufgabe gemeinsam mit Achim Bürger übernommen hat, „außerdem installieren wir die gängigen Apps wie zum Beispiel Zoom und WhatsApp, mit denen Kontakte gepflegt und gewonnen werden können.“ Diese Tablets sind dann den an dem Projekt teilnehmenden Senioren*innen für den Zeitraum von einem Jahr inklusive einer Jahres-SIM-Karte kostenfrei zur Verfügung gestellt worden - unter der Bedingung, zwölf Monate an Schulungen und Internetaktivitäten teilzunehmen.

Hier übernehmen Hatice Kardas und Hubert Theuss. Einmal die Woche geben sie jeder*m Projektteilnehmer*in Einzelunterricht, in dem ganz individuell auf die Bedürfnisse eingegangen werden kann. Da der Großteil bisher über keinerlei digitaler Erfahrung verfügt, werden die ersten Stunden meist dafür genutzt, um „das Gerät beizubringen“, wie Hatice Kardas berichtet: „Wo schalte ich das Tablet an? Wie benutze ich einen Touchscreen? Dinge, die für uns ganz selbstverständlich sind, sind es nicht für jemanden, der sich noch nie in seinem Leben damit beschäftigen musste.“ Sind die ersten Handgriffe erlernt, geht’s zum nächsten Schritt: die eigene E-Mailadresse, denn ohne die kann man viele der wichtigsten Apps nicht nutzen. Auch hier fängt Hatice Kardas oft ganz von vorne an und erklärt, dass ein E-Mail-Postfach wie ein Briefkasten ist, der im Tablet steckt. Wichtig sei zudem, den Nutzern die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen und aufzuklären, was zum Beispiel den sicheren Umgang mit Passwörtern angeht.

Damit das Gelernte auch geübt wird, bekommen die Teilnehmer*innen stets kleine Aufgaben an die Hand. Eine eigene WhatsApp-Gruppe wurde bereits gegründet, Aktivitäten wie Online-Spielenachmittage oder ähnliches sollen bald anfangen. „Unsere Seniorinnen und Senioren sind wirklich wissbegierig. Häufig haben sie sich die Woche über ihre Fragen notiert, um sie dann bei der nächsten Schulung durchzugehen“, freut sich Hatice Kardas, dass das Projekt so gut angenommen wird. Die Stunden entwickeln so eine Eigendynamik, einen festen Lehrplan gebe es sowieso nicht: „Ich habe vor Corona zwar diverse Kurse im Nachbarschaftsnetzwerk gegeben, aber dieses Thema ist auch für mich Neuland. Ich versuche es einfach menschlich rüberzubringen“, erzählt die gelernte Bürokauffrau. Und das macht sie so gut, dass sie im Rahmen des Projektes mittlerweile eine aus Fördergeldern finanzierte Halbtagsstelle bekleidet.

Sich gemeinsam mit den Teilnehmer*innen Schritt für Schritt kleine Erfolgserlebnisse zu erarbeiten, bereichere auch ihren Alltag, erzählt sie und bringt folgendes Beispiel: Eine 80-Jährige beschloss, nicht mehr an dem Projekt teilzunehmen, nachdem ihr dieses WhatsApp einfach nicht einleuchten wollte. Also rief Hatice Kardas per Videoanruf bei der Nichte an. Ein Aha-Erlebnis für die Teilnehmerin. „Das will ich auch können!“, lautete der neue Entschluss. „Sie hat so gestrahlt, als sie den ersten Videoanruf selbst machen konnte. Das war ein unglaublich schöner Moment“, erinnert sich Kardas.

Momente wie diese sind es, die das Projekt so wertvoll machen. Und die bald noch mehr ältere Menschen in Meerbeck erleben können: Denn Ende Februar bis Mitte März bekommt das Nachbarschaftsnetzwerk 20 neue Tablets - und die warten auf neue Ü55, die online gehen wollen.