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Das Pfingstwunder des Jazz: Das Moers-Festival 2021 wird stattgefunden haben

Das Pfingstwunder des Jazz : Das Moers-Festival 2021 wird stattgefunden haben

Mitten in die Pressekonferenz zum Moers-Festival tickerte die Nachricht, dass Kanzlerin Merkel die Ruhetage zu Ostern zurücknimmt. Damit rückt auch das Pfingstwunder in den Bereich des Möglichen. In der Sprache der Zukunft: „Xiwang zuì hao de“, hoffe das Beste.

Beim Einstieg durch den Schacht macht sich der Coronabauch bemerkbar. Die Pressekonferenz fand spektakulär in der seit 1988 geschlossenen Unterführung am Königlichen Hof statt - und war eh als Zeitreise gedacht. Die Erzählung geht so: Ein Photonensturm hat alle elektronischen Daten gelöscht, das Podium des Jahres 2040 ist auf mündliche Überlieferung und Archäologie angewiesen, um sich zu erinnern, wie das 50. Moers-Festival 2021 abgelaufen ist.

Das ist quasi eine Forderung: Das Moers-Festival muss real und nicht nur virtuell stattfinden, damit wir unseren Enkeln davon erzählen können und Archäologen Beweise finden, dass es auch im Seuchenjahr 2021 Leben in Moers gab.

Gleichzeitig drückt das Zeitreisespiel Gewissheit aus: Das Moers-Festival 2021 wird stattgefunden haben, man wird sich daran erinnern - und Tim Isfort ist auch 2040, da wird er 63, noch Künstlerischer Leiter ... Geschäftsführerin Helena Lischka, Aufsichtsratsvorsitzender Mark Rosendahl, Kulturdezernent Wolfgang Thoenes - alle spielen mit; besonders viel Verve legt Bürgermeister Christoph Fleischhauer in seinen Text: „Die haben sogar ein Buch gemacht zum Jubiläum ...“

Fürs Programm vom 21. bis 24. Mai ist neben der physischen Anwesenheit von Zuschauern auch die von über 200 internationalen Musikern geplant: Eine „Large Unit“ aus dem Schwerpunktland Äthiopen tritt an, David Murray kommt mit Trio, Joëlle Léandre mit Lauren Newton und Myra Melford und der Niederländer Han Bennink gleich mehrfach. Wieder sehr frankophil wird’s mit La Tène und Le Grand Sbam; das 27-köpfige Ensemble Onceim spielt Musik der Synthesizerpionierin Éliane Radigue. Will Guthrie erkundet auf Debussys Spuren die Welt des javanesischen Gamelan. Und die aktuellen Residenz-Improviser Talibam! formieren sich mit allen bisherigen Improvisern zur Großen Kleinen Allee-Band. Für diejenigen, denen noch nicht alle Programmpunkte was sagen, ein Zitat aus dem Jahre 2040: „Ich wär’ hingegangen.“

Eins der berühmtesten Orchester der Welt hat’s erfolgreich vorgemacht: Die Berliner Philharmoniker haben am 20. März erstmals wieder vor Publikum gespielt; 1.000 Zuschauer waren in der Philharmonie. Etwas weniger auf einmal sind jeweils für die beiden umschlossenen Spielorte Enni-Eventhalle und Rodelhügel geplant, Abstand wird auf jeden Fall eingehalten. Die Lindenapotheke Neukirchen-Vluyn und das Moerser Gesundheitszentrum Beckerplus errichten ein Testzentrum; 5.000 Schnelltests sind zugesagt. Wer kommen möchte, reserviert sich zuerst eins der deutlich reduzierten Tickets und dann sitzplatzgenau vier oder fünf Konzerte pro Tag, um Überbelegung zu vermeiden und Nachverfolgung zu ermöglichen.

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Live-Stream auf Arte gibt’s so oder so; im Schlosspark ist genug Platz für Analogie mit Abstand und Camping eine große Hoffnung. Fehlen eigentlich nur Huey Lewis and The News mit ihren Songs für „Zurück in die Zukunft“: „The Power of Love“ und „Back in Time“. Oder, um es mit dem Plakat zu sagen, auf dem eine Umarmung zu sehen ist: Der Kampf um die Zukunft hat begonnen.

Anmerkung des Redakteurs: Dieser Onlineartikel hat das automatische Verfallsdatum 31.12.2040.