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Kulturkippe: WaPo auffe Schrottinsel

Kulturkippe : WaPo auffe Schrottinsel

Dass es dereinst mal Führungen zu den Schauplätzen der neuen ARD-Vorabendserie „WaPo Duisburg“ geben wird wie heutzutage in Ruhrort zu Schimanski-Tatorten, erscheint ziemlich unwahrscheinlich. Kürzer formuliert: Die Serie ist Schrott.

Das mag jetzt wenig überraschend sein, aber ein bisschen hofft man ja doch immer: Duisburg! Hafen! Wir sind im Fernsehen! Sind wir aber nicht. So menschenleer hat man Duisburg selbst als gebeutelter Nachtleben(be-)sucher noch nicht gesehen; die Entscheidung, die Wache im hafentechnisch quasi funktionslosen Innenhafen anzusiedeln, erweist sich fürs ehemalige Strukturwandelvorzeigeprojekt nachhaltig-touristisch als maximal fatal: Wie ausgestorben liegen Kaimauern und Ufer da, gähnende Leere auf dem Wasser und an Land.

Warum muss es dann auch noch ein Mord sein? Wirklich finster haben eh nur die zuständigen WDR-Redakteure gewirkt. „Es darf nichts kosten“, scheint ihre einzige Maßgabe gewesen zu sein, der hier neben der Binnenschifffahrt auch die Darstellung jedweden menschlichen Lebens zum Opfer gefallen scheint. Die Luftaufnahmen von Thyssenkrupp und Ruhrorter Häfen haben mit der „Handlung“ nichts zu tun und sind wahrscheinlich aus dem Stadtmarketing-Fundus.

Mit ganzen vier Wasserschutzpolizisten plus Sekretärin wird die reale Personalknappheit spielend unterboten. Bei deren Besetzung waren sich die Redakteure bestimmt sicher, ausreichend divers vorzugehen. Doch schon die von Romy Vreden gespielte Sekretärin Lena Preser zeigt mindestens Anklänge an rassistische Klischees und darf darüber hinaus nicht viel mehr sein als „lustige Dicke“ (und jedenfalls nicht Polizistin!). Yasemin Cetinkaya hat sicher viel mehr zu zeigen, muss sich aber mit einer türkischen Klischeemutter herumschlagen und ansonsten nett sein. Markus John macht den Brummbären ganz gut und scheint sich innerlich auch irgendwie gegen das vom Drehbuch verodnete Fantasie-Pöttisch zu wehren. Niklas Osterlohs Mitspielberechtigung scheint einzig im Besitz eines Sportbootführerscheins zu liegen.

Aber immerhin die Kneipe ist proppevoll ...