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Zweite Spielzeithälfte mit Theatertreffen: Große Gestalten im Schauspiel Duisburg

Zweite Spielzeithälfte mit Theatertreffen : Große Gestalten im Schauspiel Duisburg

Die zweite Spielzeithälfte im Schauspiel Duisburg ist – allein schon wegen des Akzente-Theatertreffens – immer großer Gastspielreigen: Die besten Schauspieler sind in herausragenden Inszenierungen der bedeutendsten deutschsprachigen Theater zu sehen. Schon diese Woche geht’s los mit Ulrich Matthes als Molières „Menschenfeind“.

So einer ist in Duisburg ganz besonders gut aufgehoben. „Ich fordere, dass man mich höher stellt“, sagt Alceste, der titelgebende Menschenfeind oder Misanthrop, denn „wer jeden achtet, achtet keinen“ – was er selbst auch tut: „Ich werfe dem ganzen Menschenvolk den Handschuh hin.“ Wäre da nicht die deutlich jüngere und auch sonst sehr liebreizende Celimène … Kompromissloser Wahrheitsfanatiker, Ehrlichkeit statt Höflichkeit, „auf ein Verdienst muss sich Verehrung gründen“ („Leistung muss sich wieder lohnen“) – es ist wohl nicht die geringste Kunst des großen Molière, dass man einem solch bekloppten Vollarsch die Sympathie doch nicht voll und ganz versagen kann, und das dürfte dann auch Ulrich Matthes‘ Verdienst werden, der die Titelrolle des Menschenfeinds beim Gastspiel des Deutschen Theaters Berlin am Dienstag und Mittwoch, 4. und 5. Januar, jeweils 19.30 Uhr, im Theater Duisburg verkörpert.

Molière wäre am 15. Januar 2022 400 Jahre alt geworden und ist neben Shakespeare wohl der Dramatiker, der das auch am meisten verdient hätte. Immerhin taucht er im Zuge der theaterweltweiten Feierlichkeiten jetzt auch vermehrt auf deutschen Spielplänen auf, was uns zum Akzente-Theatertreffen am 31. März das nächste große Gastspiel verspricht, vom Thalia-Theater Hamburg, inszeniert von Leander Haußmann: „Der Geizige“ mit Jens Harzer in der Titelrolle, der als Träger des Iffland-Rings derzeit den „bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“ darstellt, sich aber hoffentlich mehr am noch viel bedeutenderen Würdekünstler und Geizigendarsteller Louis de Funès orientiert …

Eröffnet wird das Theatertreffen der 43. Duisburger Akzente am 11. März mit dem „Zauberberg“ nach Thomas Manns Jahrhundertroman. Passend zum Thema der ausgefallenen letztjährigen Akzente beginnt der Abend vom Staatsschauspiel Dresden mit einer Mauer – aus Fässern. „Die rollen dann in den Orchestergraben“, verrät Duisburgs Schauspielchef Michael Steindl, „das allein ist den Abend wert! Dann muss erstmal ein bisschen aufgeräumt werden …“ Die Reichen auf dem Berg und der Rest im Tal, Lungenkrankheit als Luxusartikel, Festung Europa und Feiern am Vorabend eines Weltkriegs – in den Fässern steckt Sprengstoff.

 In „Der Menschenfeind“ spielt Ulrich Matthes den wortgewandten Alceste, der unbedingte Aufrichtigkeit und Kompromisslosigkeit predigt. Als er sich in Célimène (Franziska Machens) verliebt, droht er umso krachender an seinen eigenen Ansprüchen zu scheitern - am 4. und 5. Januar jeweils um 19.30 Uhr im Theater Duisburg.
In „Der Menschenfeind“ spielt Ulrich Matthes den wortgewandten Alceste, der unbedingte Aufrichtigkeit und Kompromisslosigkeit predigt. Als er sich in Célimène (Franziska Machens) verliebt, droht er umso krachender an seinen eigenen Ansprüchen zu scheitern - am 4. und 5. Januar jeweils um 19.30 Uhr im Theater Duisburg. Foto: Arno Declair

Dass Menschenfeind, Geiziger und Zauberberg dank Franziska Machens, Marina Galic und anderer alles andere als One-Man-Shows sind, sei hier nur am Rande erwähnt, schließlich hat Cate Blanchett gesagt, sie wolle „best actor“ werden, aber dass es jedenfalls ein Wiedersehen mit Constanze Becker als Medea gibt (2. und 3. April), dafür ist der Herr Steindl nicht genug zu preisen. Michael Thalheimer, ohnehin einer der derzeit besten Theaterregisseure, hat mit seiner Inszenierung voll ins Schwarze des Euripides-Stücks getroffen, für Constanze Becker ohne Frage eine Rolle ihres Lebens angesichts der mittlerweile zehn Jahre, in denen sie als Medea erst am Schauspiel Frankfurt, dann am Berliner Ensemble Liebe und Hass zum Äußersten treibt.

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Philipp Hochmair und die Elektrohand Gottes zeigen „Jedermann reloaded“ noch einmal am 16. Januar, und nach seinem Brel-Abend am 8. Januar ist Dirk Schäfer mit einem Doppel („Package“) bei den Akzenten zu erleben: „Der Tod und ein Mädchen“ über seine Großcousine, die im Euthanasieprogramm der Nazis zu Tode kam, und „Hinter den Wölfen“ über die Angst vor den Wölfen. Das Staatsschauspiel Dresden kommt im Mai noch einmal wieder mit „König Lear“. Der Gastspieltisch ist reich gedeckt – „ob wir im Herbst noch Geld haben, sehen wir dann“, so der ewig klamme Intendant. Der trotzdem auch mit Eigenproduktionen wuchern kann, und das immer mehr. „Let’s work“, „Im Kreis der Sterne“, „Being Freddie Mercury“, „Der Kontrabass“ – da ist einiges an erfolgreich laufendem Repertoire zusammengekommen. Zu den Akzenten gibt’s die nächste Großproduktion im Großen Haus: „Orlando“ nach Virginia Woolfs Roman über einen Menschen, der 350 Jahre lebt, aber nur 20 Jahre älter wird, der als Junge zur Welt kommt und eines Tages als Frau aufwacht. „Ein rauschhaftes Erlebnis“, verspricht Michael Steindl. In der Titelrolle ist Friederike Becht zu sehen, bekannt vom Bochumer Schauspielhaus wie vom Berliner Ensemble und seit gestern durch die Hauptrolle in der neuen ARD-Serie „Schneller als die Angst“. Und Damira Schumacher, zuletzt für „Das Gewächshaus“ gefeiert, inszeniert „Vier Männer im Nebel“ über Teambuilding auf der einsamen Insel. Das Schauspiel Duisburg geht gut gerüstet in die Rückrunde, Theater muss schließlich sein.

Karten: (0203) 283 62 100