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Auf Duisburger Zeitreise mit Fritz Bentgens: Fritzemann erzählt aus seinem Leben

Auf Duisburger Zeitreise mit Fritz Bentgens : Fritzemann erzählt aus seinem Leben

Fritz Bentgens aus Baerl hat 2019 sein erstes Buch veröffentlicht. Mit „Fritzemann - Kleine Geschichten aus meinem Leben“ nimmt uns der heute 88-Jährige mit auf eine sehr persönliche Reise durch seine Erinnerungen - und bietet uns damit ein wunderbares Stück Duisburger Zeitgeschichte.

Fritz Bentgens ist ein Mann, der voller Dankbarkeit auf sein Leben zurückblickt und viel zu erzählen hat. „Du solltest das alles einmal aufschreiben, was Du von klein auf bis heute gesehen und erlebt hast“, rät ihm seine Frau Ursula an einem sonnigen Tag im Mai 2018. Und der damals 86-Jährige schreibt los.

Bentgens blickt zunächst zurück auf seine Kindheit und Jugend im Duisburg der Kriegs- und Nachkriegszeit. Das ist kein staubtrockener Geschichtsunterricht, sondern gelebte Geschichte von nebenan, die uns an vertraute Orte führt. Wie der Sankt Laurentius Kirche in Duisburg-Beeck, in der Fritzemanns Geburt am 14. August 1932 verkündet wurde, und bei deren Wiederaufbau er als Messdiener „die zerschlagenen Pfannen des Daches nach unten in den Pfarrgarten“ beförderte. Beeck wurde im zweiten Weltkrieg zu fast 80% zerstört. Galten die Angriffe der englischen Bomber zunächst der August Thyssen-Hütte, wurden ab 1943 auch Wohnhäuser angegriffen. „Meistens heulten die Sirenen gegen 22 Uhr“, erinnert sich Fritz Bentgens, der dann gemeinsam mit seiner Familie in den Keller eilte: „Wäre das Haus von Bomben zerstört worden, hätten wir die Möglichkeit gehabt, durch einen vorher geschaffenen Durchgang ins Nachbarhaus zu gelangen und dadurch zu entfliehen.“

Viele schlimme Erinnerungen haben sich in Bentgens Gedächtnis gebrannt: die SA, die im Kamannshof untergebracht war, die Hitlerjugend, die Nazi-Lieder in der Kirche skandierte (“eine große Unverschämtheit“), der jüdische Kaufmann Herr Friedländer, der erst weinte, weil „alles futsch geht“ und dann gemeinsam mit den anderen Juden im Stadtteil ins KZ gebracht wurde, oder der Zigeunerjunge, der einfach verschwand. Nie vergessen werde der Autor auch die Hungerjahre 1945 bis 1948.

Doch trotz der schweren Zeiten hat jede Epoche auch ihre Annekdoten, die Bentgens mit erfrischender Leichtigkeit zu erzählen weiß: Etwa von der Karte, einem Stück „unglaublich teurem Spezialpapier“, die er seiner Mutter zum Muttertag schenkte. Ein Foto zeigt uns das Stück Pauspapier, das auch heute noch im Familienbesitz ist. Oder von der ständig klagenden „armen Frau“, der Inhaberin des Zigarrengeschäfts Brinken auf der Friedrich-Ebert-Straße. Wer sich fragt, wie man in diesen Zeiten Weihnachten oder Ostern gefeiert hat, findet ebenso Antworten wie diejenigen, die einfach einen Blick in einen ganz normalen Familienalltag werfen möchten.

Und dann ist da noch das liebe Mädel Ursel, die auf der Kaiser-Wilhelm-Straße in Bruckhausen wohnte. 1948 spielte Fritzemann unter ihrem Fenster ein Ständchen mit der Geige, am 22. Januar 1959 heirateten die beiden. Vor zwei Jahren brachte sie ihn dazu, dieses Buch zu schreiben. „Nun können alle Interessierten meine Zeitreise in die Vergangenheit in ihren Händen halten“, schließt Fritz Bentgens das letzte Kapitel. Es heißt „Sonnenuntergang“.