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Cölve-Brücke geht an Duisburg, IG fordert weiter Behelfsbrücke

Gelände an der Cölve geht an Duisburg : „Komplett neue Voraussetzungen!“

Die Duisburger Stadtgrenze wird ein Stückchen nach Westen verschoben: Der Rat der Stadt Duisburg hat am Donnerstag der Übertragung des Gebiets der Cölve-Brücke zugestimmt. Dass die Stadt Moers der Gebietsänderung ebenfalls zustimmt, gilt als reine Formsache.

Wohl mindestens 30 Jahre lang schrieben Duisburg und Moers quasi an einer Chronik des Versagens. Jetzt scheint es jedenfalls möglich, dass der Geschichte der Cölve-Brücke neue, sprich: gut ausgehende Kapitel hinzugefügt werden.

„Das sind komplett andere Voraussetzungen!“, sagt Doris Göbel zur von Duisburg beschlossenen Gebietsänderung, und sie sagt das nicht für sich, sondern als Sprecherin der Interessengemeinschaft Cölve-Brücke, in der aktuell rund 90 Anwohner vor allem für eine schnelle Behelfsbrücke kämpfen. 40 von ihnen sind Geschäftsleute, die die Sperrung der maroden Brücke für Autos seit bald vier Jahren heftigst zu spüren bekommen. Wie der Florist und Friedhofsgärtner Harro Dahl, der sagt: „Das hat an der Altersvorsorge geknabbert.“ Schon vor der Sperrung der Brücke sei man nur hingehalten worden. Seit 30 Jahren mindestens sei klar, dass die Brücke hin ist, spätestens mit den durch die Logports zunehmenden Lkws, die sich hier entlang den Weg übers Moerser Kreuz sparten, sei die Brücke kaputtgefahren worden.

Jetzt fahren Busse und immer noch Lkws neue Schlaglöcher in den Asphalt der umliegenden Wohnstraßen. Vielleicht nicht die Stammkunden, aber Spontankäufer haben immer seltener Lust auf einen Stopp, nachdem sie sich durch die gepflasterte 15-km/h-Umleitungsstrecke gezwängt haben. „Die Leute nehmen alle Abkürzungen, die sie finden“, schildert Doris Göbel das Chaos im Wohngebiet und fürchtet um die Schulwege, wenn jetzt wieder geöffnet wird. Nicht abzusehen, aber zu befürchten sei, dass das auch soziale Folgen für den Stadtteil hat.

Dass man sich an den entscheidenden Stellen ernsthaft um Abhilfe bemüht hat, konnte die IG Cölve-Brücke nicht erkennen. Immerhin, Bürgermeister Fleischhauer (Moers) und Oberbürgermeister Sören Link (Duisburg) seien die ersten gewesen, die sich des Themas angenommen hätten, sagt Göbel, spricht dann aber auch von „menschlicher Enttäuschung“, dass Versprechen nicht eingehalten wurden. Drei Jahre hätte man jetzt schon Zeit gehabt, einen Neubau zu planen. Wie lange allein auf die Machbarkeitsstudie gewartet werden musste ... „Wir wissen vom zuständigen Moerser Dezernenten, dass Moers die Brücke gar nicht will“, sagt Doris Göbel. Die Ausschreibung sei künstlich aufgeblasen worden, es sei abzusehen und sowohl Moers als auch Duisburg vorab schon klar gewesen, dass die Bezirksregierung der Haushaltssicherungskommune Duisburg eine Beteiligung an der Brücke in dieser Form untersagen würde. Göbel: „Das ist bewusst so herbeigeführt worden.“

Jetzt also die Gebietsänderung. Dass es in Duisburger Regie einen Neubau in 2025 oder 26 gebe, sei aber eine „Illusion“; allein schon, weil wegen der sowohl für Personen- (Duisburg-Xanten) wie Güterverkehr genutzten Strecke auch die Bahn mit im Boot sitze, die alleine schon drei Jahre Vorlauf brauche.

Sprich: „Unsere Forderung nach einer Behelfsbrücke bleibt bestehen“, so Doris Göbel. Und eine Behelfsbrücke sei innerhalb eines Jahres machbar. Es gibt Spezialfirmen, die haben solche Brücken quasi fertig auf dem Hof stehen, weiß nicht nur Harro Dahl. 900.000 bis eine Million Euro würde so eine Behelfsbrücke maximal kosten, die IG Cölve-Brücke hat sich informiert und sogar einen Brückenbauingenieur in ihren Reihen. Gelder wären vorhanden: Dem Vernehmen nach zahlt Moers eine Million Euro für den Abriss. Für die klamme Stadt Duisburg wiederum würde die Duisburger Verkehrsgesellschaft (DVG) mit 500.000 Euro einspringen, die mit den Umleitungen derzeit pro Jahr über 100.000 Euro Mehrkosten, also Verluste einfährt.

Eine Behelfsbrücke hält fünf bis sieben Jahre, das gäbe Zeit für eine vernünftige, realistische Planung des Neubaus. Damit bleibt für die IG Cölve-Brücke eigentlich nur ein Problem. Es könnte schlichtweg nicht gewollt sein, dass hier ein Exempel statuiert wird und bürgerschaftliches Engagement zum Erfolg führt. „Wir hatten oft genug den Eindruck, dass kritische Bürger eigentlich gar nicht gewollt sind“, sagt Doris Göbel. Immerhin weiß die IG Cölve-Brücke neben dem ebenfalls seit Jahren engagiert in dieser Sache kämpfenden SPD-Ratsherren Reiner Friedrich auch die rot-schwarze „Gro-Ko“ in der Bezirksvertretung auf ihrer Seite. Und Bezirksbürgermeisterin Elisabeth Liß wählt gerade IG-Vertreter für eine Begleitkommission zum Neubau aus. Es kann also gut gehen - wie gesagt: „Komplett neue Voraussetzungen!“