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Schimanski-Jubiläum: 40 Jahre "Duisburg-Ruhrort"

Schimanski-Jubiläum : 40 Jahre "Duisburg-Ruhrort"

Das 650. Gründungsjubiläum wird wohl nachgefeiert werden müssen, aber zum runden Schimanski-Geburtstag gab’s heute in Ruhrort großen Bahnhof.

Es ist der 28. Juni 1981, Sonntagabend, 20 Uhr 15, der Tatortvorspann wie immer, dann ein schnauzbärtiger Götz George, der „Leader oft he Pack“ anschaltet, „Is she really going out with him?“, er schaut aus dem Fenster auf das Kruppwerk Rheinhausen, darüber die Titeleinblendung: „Duisburg-Ruhrort“. Er schlägt sich zwei Eier ins Glas und schluckt sie runter, sammelt leere Bierflaschen ein und geht raus – auf die Fürst-Bismarck-Straße, will in die „Bierquelle“, vor der die Heilsarmee singt, aber gegenüber räumt auch einer den Müll raus, und zwar durchs Fenster, und Horst Schimanski brüllt nach drei Minuten und 27 Sekunden seinen ersten Satz: „Hotte, du Idiot, hör auf mit der Scheiße!“ Auf dem Kopfsteinpflaster zerbirst ein Fernseher. (Für Nerds: Ich hab’s mir gerade noch dreimal hintereinander angehört, George-Schimanski sagt „Hotte“, nicht „Zottel“, wie auf diversen Fanpages zu lesen ist.)

Ein Working Class Hero krempelt die deutsche Fernsehlandschaft auf links. Spießer laufen Sturm – und Duisburg ist beleidigt, jedenfalls das offizielle. Noch vor elf Jahren, beim 170. Jubiläum der Ruhrorter Sparkasse, merkt der damalige Oberbürgermeister Adolf Sauerland an, dass er bei „Ruhrort“ auch immer „Schimanski“ denke, und das sei nicht das Bild, das er sich von bzw. für Duisburg wünsche.

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Sein Nachfolger Sören Link stellt sich beim 40. Jubiläum von „Duisburg-Ruhrort“, zu dem die Stadtvermarkter von Duisburg Kontor an den Originalschauplatz „Zum Anker“ auf den Ruhrorter Neumarkt geladen haben, etwas geschickter an. Der Blick auf Schimanski sei milder geworden, der rüpelnde TV-Kommissar ein „sympathischer Werbeträger für die Stadt“, wie die meisten Duisburger sei er eben „offen, ehrlich und gradlinig“. Aber die Bilder von Duisburg, die „aussahen wie kurz nach’m Krieg“, die hätten damals schon nicht gestimmt und stimmten heute erst recht nicht mehr, findet Link und merkt noch an, dass viele Szenen ja gar nicht in Duisburg, sondern zum Beispiel in München gedreht worden seien, und „Schmuddelecken gibt’s in jeder Stadt; es macht keinen Sinn, die zu verstecken, die müssen wir entwickeln“. Es scheint der Hauptantrieb hiesiger Stadtoberhäupter zu sein, aus Duisburg Düsseldorf zu machen.

Man muss nur mal auf der hilfreichen Website schimanski-drehorte.blogspot.com nachschauen oder weiß vielleicht auch so, wie viele Schimanski-Schauplätze es nicht mehr gibt: Der ikonische Blick durch die Dieselstraße auf den Thyssen-Hochofen in Bruckhausen geht nicht mehr, weil: Hochofen weg; die „Wolfsschlucht“ wurde mit Nachbarshäuserblock wegrasiert für den „Grüngürtel Duisburg-Nord“, der Matenatunnel wurde verfüllt; in Ruhrort ist von Lünnemanns Loch nicht mehr viel übrig und wo einst die Kleinholz-Werft stand (die neben sieben Schimanski-Auftritten auch dem Hafendetektiv Klaus Löwitsch als Domizil diente), entsteht ausgerechnet NRWs modernste Polizeiwache …

 Würdiges Gedenken: Nach dem Tod von Götz George im Juni 2016 warf die HFN-Jam für eine Live-Schalte der WDR-Lokalzeit einen Fernseher aus dem Fenster.
Würdiges Gedenken: Nach dem Tod von Götz George im Juni 2016 warf die HFN-Jam für eine Live-Schalte der WDR-Lokalzeit einen Fernseher aus dem Fenster. Foto: Screenshot

Aber Schimanski zieht. So viele Fotografen, Journalisten und Kamerateams wie nur selten, wenn Duisburg Kontor einlädt, sind nach Ruhrort gekommen, bekommen hier neben dem Anker noch einen für spätere Folgen verwendeten Citroen DX 2400 Turbo geboten, den Duisburg Kontor sogar gekauft hat, vom ehemaligen Kölner Zoodirektor, für einen Preis „etwas über Schwacke-Liste“, wie DK-Geschäftsführer Uwe Kluge erklärt. Das wirklich starke Fahrzeug soll in Zukunft für besondere Anlässe zur Verfügung stehen. Projektmanager Leon Taraschewski und Azubi Merle Eckart tragen Schimmi-T-Shirts und Schnauzbart. „Ruhrort ist für uns schon wichtig“, so Kluge, „weil es ja der Kern des Duisburger Hafens ist.“

Dass die Kombination Schimanski und Ruhrort zieht, kann Dagmar Dahmen bestätigen. Mittlerweile 1.000 bis 1.500 Leute pro Jahr führen sie und ihre Führer auf Schimmi-Touren durch den Hafenstadtteil, 13.000 waren es bisher. Auf die Idee kam sie bei der Feier zum 30-jährigen Schimanski-Jubiläum vor zehn Jahren im Anker, der damals zwischenzeitlich „Café Kaldi“ hieß. Seitdem habe sie sich immer mehr in den Stadtteil verliebt, und bis heute sammelt sie die Anekdoten für ihre Touren hier auf der Straße.

Tatsächlich kommen auch einige Ruhrorter zum Kiebitzen, Wienand Croy zum Beispiel, der schon vor 40 Jahren mitgearbeitet und von da an sämtliche Schimanski-Dreharbeiten mit Strom versorgt hat und der auf seinen ersten Scheck mit dem Logo der Bavaria drauf so stolz war, dass er ihn am liebsten gar nicht eingelöst hätte … Ein anderer sieht, wie sich Sören Link mit den anderen zum Foto aufstellt und findet, „der hat hier nichts zu suchen“. Dass umgekehrt Schimanski nichts im strukturgewandelten Hochglanz-Innenhafen zu suchen hatte und das wohl auch selber merkte, hat vor einigen Jahren schon die finnische Urbanistin Kaisa Schmidt-Thomé festgestellt. Und wiederum „Duisburg-Ruhrort“-Regisseur und Schimanski-Erfinder Hajo Gies meckerte in den Funke-Medien, die Horst-Schimanski-Gasse sei „mickrig“ und „popelig“ und ramenterte was von „in Frankreich hätten sie Alleen nach ihm benannt“, wogegen Dagmar Dahmen einwendet, es gebe in Frankreich keinen einzigen Boulevard Jules Maigret oder ähnliches. Leider war der Jockel nicht da. Er hätte erzählen können, wie er damals im Spanien-Urlaub Bewunderung und Respekt erntete, wenn er erzählte, wo er herkam: „Was, in so’ner harten Stadt lebst Du?“

Große Fresse ja, aber nicht Größenwahn – das bliebe von Schimanski noch zu lernen. So gesehen ist die kleine Ruhrorter Schimmi-Gasse schon ganz gut, das bestätigen die vielen Radfahrer und Spaziergänger, die hier immer noch tagtäglich für Fotos bzw. Selfies einen Stop einlegen.