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Kriminalstatistik 2020: 23.955 Straftaten im Kreis Wesel

Kriminalstatistik 2020 : 23.955 Straftaten im Kreis Wesel

Die Kreispolizeibehörde Wesel stellte am Donnerstag die Kriminalstatistik für 2020 vor: 23.955 Straftaten wurden kreisweit registriert, das ist deutlich unter dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.

Das liege nicht nur am Coronaeffekt, macht Landrat Ingo Brohl direkt zu Beginn des Pressegesprächs klar. Denn in vielen Bereichen fallen die Fallzahlen seit Jahren. Zum Beispiel bei den Wohnungseinbrüchen, die seit fünf Jahren rückläufig sind. „Unsere Präventionsmaßnahmen greifen“, so Kriminaldirektor Volker Flaß und meint Aufklärungskampagnen, kostenlose Beratungsangebote etc., die die Polizei in den vergangenen Jahren zu diversen Themen verstärkt an die Leute gebracht hat. Doch nicht nur mit dieser Arbeit zeigt man sich in der Kreispolizeibehörde zufrieden, auch dass 50,1 % aller Straftaten aufgeklärt werden konnten, sei eine „solide Zahl“; im Bereich der Gewaltkriminalität verzeichne man gar die höchste Aufklärungsquote seit fast 20 Jahren.

Sorge hatte man, wie sich Corona auf häusliche Gewalt auswirkt. Davon ab, dass jeder Fall einer zu viel ist, weist der Kreis Wesel hier mit 472 Strafanzeigen erstaunlicherweise den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre auf und entspricht nicht der negativen Entwicklung, die das Land NRW zu verzeichnen hat.

Dass die Dunkelziffer gerade in solchen Bereichen jedoch noch hoch ist, ist zu vermuten. Mediale Sensibilisierung könnte hier zu einem geänderten Anzeigeverhalten führen und solche Dunkelfelder erhellen. Die zunehmende Enttabuisierung von Sexualdelikten habe beispielsweise dazu geführt, dass es in diesem Bereich deutlich mehr Anzeigen gegeben hätte (2019: 269, 2020: 389). Die Aufklärungsquote liege, dank Aufstockung des Personals, mittlerweile bei 90 %. Jeder sei jedoch gefordert, „genau hinzuschauen“, fordert der leitende Polizeidirektor Rüdiger Kunst, gerade auch im Hinblick auf den sexuellen Missbrauch von Kindern: „Münster oder Bergisch Gladbach haben gezeigt, dass wir ein gesellschaftliches Problem haben.“ In der Statistik gibt es 2020 64 Fälle, 2019 waren es 44. Im Bereich Kinderpornografie wurde ein Zuwachs von 58 auf 101 verzeichnet.

Gestiegene Zahlen gibt’s auch im Bereich „Betrug“. Nach einem Tiefstand von 2098 Fällen in 2019 stieg die Zahl 2020 wieder auf 2.632. Neben Straftaten im virtuellen Raum sind weiterhin Enkeltrick, der falsche Polizist und Co. auf dem Vormarsch, wobei die Maschen immer perfider, und die Täter immer professioneller werden. Sie setzen ihre Opfer gezielt unter enormen Druck, nutzen Gutmütigkeit und Hilfsbereitschaft aus. „Man wundert sich ja häufig, warum Menschen darauf reinfallen, aber es kann wirklich jeden treffen, das geht durch alle Gesellschaftsschichten“, warnt Rüdiger Kunst und ermutigt Betroffene sich zu melden und nicht aus falscher Scham zu schweigen. Die Polizei setzt auch hier auf Aufklärung und Handlungsempfehlungen, spricht Ältere und Jüngere an, arbeitet mit Apotheken, Pflegediensten und Banken zusammen.

Die kreisweite Entwicklung spiegelt sich zum Teil auch in den Zahlen unserer Städte wieder: In Moers sind die Straftaten von 6.309 (2019) auf 5.686 gefallen, gleichzeitig stieg die Aufklärungsquote von 46,3 auf 54,4 %, der beste Wert der letzten fünf Jahre. Sexualdelikte (63 auf 96), Betrug (395 zu 668) und Rauschgiftdelikte (280 auf 378) haben zugenommen. Drei Tötungsdelikte wurden 2020 registriert.

In Neukirchen-Vluyn gab’s mit 1222 Straftaten einen leichten Anstieg, wobei die Aufklärungsquote auf den schlechtesten Wert seit fünf Jahren gefallen ist (43,9%). Gestiegen sind Sexualdelikte (11 auf 21), Diebstahl (462 auf 479) und Betrug (106 auf 136). Ein Tötungsdelikt taucht 2020 in der Statistik auf.

Kamp-Lintfort hat 2288 Straftaten zu verzeichnen, aufgeklärt wurden 56,6 % der Fälle. Hier gibt es in folgenden Bereichen einen leichten Anstieg im Vergleich zum Vorjahr: Gewaltkriminalität (64 auf 85), Sexualdelikte (23 auf 34), Diebstahl (766 auf 777), Betrug (211 auf 217).

In Rheinberg wurden von 1196 Straftaten 53,9 % aufgeklärt. Beide Zahlen sind zu 2019 leicht gesunken. Ein Plus gab’s bei Gewaltkriminalität (27 auf 36), Sexualdelikten (12 auf 22), Diebstahl (425 auf 432) und Betrug (127 auf 130).

Für einen Städtevergleich schauen wir auf die Häufigkeitszahlen (angezeigte Straftaten bezogen auf 100.000 Einwohner): Kamp-Lintfort: 6068, Moers: 5472, Neukirchen-Vluyn: 4495 Rheinberg: 3876.

Welches Verbrechen am häufigsten in der Statistik des Kreises Wesel auftaucht? Hier bleibt Diebstahl mit 9635 Fällen die Nummer 1. Am häufigsten trifft’s Fahrräder (1692).